Ob der Mensch erlöst werden muss, ist unter Philosophen aufgrund verschiedener Weltanschauungen seit jeher umstritten. Wer eine Erlösungstat dahingehend akzeptiert, dass der Mensch als von Gott geschaffenes und sündig gewordenes Wesen nicht von alleine vollkommen gut werden kann und sich nicht erst recht über den Tod hinweg in ein ewiges Leben bei und in Gott versetzen kann, wird sich trotzdem fragen: Warum musste es durch Jesus sein?
Kann Gott den Menschen nicht wie im z.B. Islam direkt aus dem Tod zu sich holen? Normalerweise würde man solch einen Artikel direkt in der Osterzeit erwarten. Da wir aber immer in österlicher Erwartung leben und der Aschermittwoch gar nicht mehr so fern ist, scheint es doch ganz sinnvoll zu sein, mal vor Ostern bescheid zu wissen, als erst danach oder kurz vor Ostersonntag.
Die Gründe für die Erlösungstat durch Jesus Christus sind zweierlei:
Wenn Gott diese Welt geschaffen hat, schein es logisch, dass dabei keine neuen Götter entstehen würden. Denn dann
wäre Gott z.B. nicht mehr allmächtig usw. Die Schöpfung ist, da sie Ausdruck Gottes ist „gut“, aber hat immer ein
Mangel an Heiligkeit, deren alleiniger Würdenträger in vollkommener Weise nur Gott selbst ist und der Logik der Sache nach auch nur sein kann. Des Weiteren glauben wir, dass der Mensch die von Gott bewusst gewollte Krone dieser Schöpfung sein muss, denn was macht denn eine prachtvolle Schöpfung für einen Sinn, in der es nicht einmal ein reflektierendes Wesen gibt, was über sie staunt und in ihr nach dem Schöpfer sucht. Der Mensch als Teil dieser Schöpfung ist nun auch nicht vollkommen; d.h. er ist auch nicht unsterblich. Solche Menschen, die Gott durchaus auch schaffen könnte, würde der Weg zu ihrem Vater zurück von Gott selbst verwährt werden. Der Mensch muss also sterben. Das ist nicht ein Fehler oder Missgeschick in Gottes Planung unserer Schöpfung, sondern eine logische Konsequenz vom Akt des Schaffens durch Gott .
Nun ein Exkurs, um das Gottesverständnis von der Allmacht Gottes, das für unsere Untersuchung essentiell ist,
ins Gedächtnis zu rufen. Könnte der im Himmel thronende, unfassbare Gott uns seine Hand geben? Als der transzendente
Gott im Himmel kann er es nicht. Nicht aber, weil er qualitativ zu niedrig für unsere Schöpfung ist, sondern
andersherum. Wenn Gott Mensch werden würde – so wie es Jesus Christus geschah – ginge es. So kann man auch sagen, dass der allmächtige, ewige Gott, der das Leben ist, nicht sterben kann. Wenn er Mensch werden würde, ginge das
allerdings, weil er sich nun auf einer Wirklichkeitsebene mit uns befindet. Während der Mensch sich aus dem Tod
nicht befreien kann, konnte der Sohn es durch seine Seinseinheit bzw. Wesengleichheit mit dem Vater. Der Vater hat
Jesus auferweckt, also in den Tod eingegriffen. Jedoch konnte er in die Wirklichkeit des Todes nur eingreifen, indem
er in Jesus selbst dort einging. Denn Gott kann als rein transzendentes Wesen, das das Leben in höchster Form ist,
weder sterben, noch eine Dimension mit dem Tod einnehmen, wie es z.B. nach islamischen Verständnis funktioniert. Das ist kein Zeichen von mangelnder Allmacht, denn Gott hat die Konsequenzen seiner Schöpfung gekannt. Er wusste, dass
er – wie auch mit der Freiheit des Menschen – freiwillig Allmacht abgibt und Bereiche schafft, in die er nicht
mehr 100% eingreifen kann. So kann Gott-Vater uns nicht „seine“ Hand geben, weil er keine besitzt und er kann auch
nicht hassen, weil er die Liebe ist. Allmacht Gottes bedeutet also nicht, dass Gott „alles“ kann, sondern, dass er alles logisch Mögliche kann, wobei Gott der letzte Grund aller Logik ist.
Zweitens: Die Erlösung als Mensch in Jesus Christus hat den einzigartigen Vorteil, dass Gott uns als Biografie, als lebendiges Zeugnis des Vaters entgegen kommt. So nah wie niemals zuvor. Das ist wohl auch die Einzigartigkeit am Christentum. Im Christentum ist Gott in Jesus direkt auf die Menschen zugekommen. In anderen Religionen, die dadurch nicht weniger wert sind, versuchen Menschen bis heute durch Riten und Gesetze auf Gott zuzukommen. Diese Art kann aber nie mehr als Anbetung und Unterwerfung unter einen im Himmel lebenden Despoten sein; dieser religiöse Ritus ist immer unvollkommene, vom Mensch entwickelte Weise auf Gott zuzukommen.
Bild:Paul-Georg Meister,pixelio.de



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