„Wer keine Angst vorm Teufel hat, braucht auch keinen Gott“, so singen die Böhsen Onkelz. Es findet sich hier das, was ich schon länger beobachte und was es zwar auch in anderen Kirchen gibt, besonders häufig und markant aber offensichtlich gerade in der katholischen Kirche: dass sich Menschen radikal von der Kirche abwenden.
Dies mag verstärkt tatsächlich ein katholisches Problem sein – zumindest in dieser Vehemenz -, weil diese Kirche sehr starke und strikte Vorgaben macht. Ein El Dorado für Kritik, zumindest für Leute, die kritisieren wollen. Dennoch hat die katholische Kirche auch vieles geleistet, sie hat den Glauben über die Jahrhunderte bewahrt und wird im Gegensatz zu anderen Kirchen in der Öffentlichkeit viel stärker wahrgenommen und repräsentiert.
Allerdings, wie gesagt: das Video, das Sie hier sehen, ist für mich das Video „eines typischen in seiner religiösen Sozialisation angeschlagenen Katholiken„. Wie gesagt: derartige Kritiker gibt es in allen Kirchen, aber die katholische scheint dafür prädestiniert zu sein.
Ach ja, noch kurz zur Theologie, wenn auch nur angerissen: die Aussage: „Wenn es keinen Teufel gibt, brauch ich auch keinen Gott“ ist natürlich vollkommen aus der Luft gegriffen. Ein bischen Pubertät schwingt hier mit. Die Frage ist vielmehr: ob Gott existiert. Und die Antwort vieler ist: ja.
Es geht also weniger darum, ob der Sänger Gott braucht, als ob er existiert – und ob er so ist, wie die Kirchenhierarchie es vorgibt. Der Song ist m.E. vielmehr eine Kritik an der Institution Kirche und nicht so sehr an Gott. Es ist die Ablehnung dieser Institution, nicht unbedingt die Ablehnung Gottes, so scheint es mir.
Nun ja: und irgendwie ist dieser Sänger mit der Thematik auch nicht fertig, denn sonst gäbe es dieses Lied nicht. Er steckt in einem „Contra“, anstatt in einem „ich mach mich auf die Suche, was es sonst noch für Kirchen gibt“. Dass jemand aber solch ein Lied verfasst und singt, heißt zugleich auch: das Thema beschäftigt ihn, massiv wahrscheinlich sogar. Mal sehen, wie er diese Spannung auflösen wird in seinem Leben. Es ist vielleicht ein Mensch, der sich auf Dauer viel stärker mit dem Thema auseinandersetzen wird, als er sich das eingesteht. Es ist vielleicht ein Mensch, der irgendwo doch um Antworten ringt. Vielleicht.
Wenn Sie mich fragen: der Song ist eine radikale Kirchenkritik – keine Gotteskritik. Aber das ist Ansichtssache.
Ein ziemlich hartes Lied. Um die Botschaft dieses Songs nicht alleine im Raum stehen zu lassen, hier noch ein anderes: denn es gibt auch die Menschen, die Gott erlebt haben und die wissen, wovon sie sprechen, wenn sie ihn loben:
Bild:malik williams ,flickr.com



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