Gestern bin ich vom jährlichen Fundraising Kongress zurückgekommen. Dort hat der Berufsverband der deutschen Fundraiser (der Deutsche Fundraising Verband) bei einer Mitgliedsversammlung ein Regelwerk von 19 Ethik-Geboten angenommen, an die sich die Fundraiserinnen und Fundraiser in Deutschland halten sollen.
Zwar hatte der Ethik-Ausschuss schon vor langer Zeit seine Arbeit aufgenommen, aber so richtig brisant war das Thema erst geworden, nachdem die UNICEF-Affäre in der Vorweihnachtszeit ihren Lauf genommen hatte (vgl. „UNICEF: Fundraising-GAU vor Weihnachten?„). Es hatte, wie der Vorsitzende des Fundraising Verbandes, Rüdiger Sornek, gestern berichtete, auch zu einem riesigen Medien-Interesse gegenüber dem Verband geführt.
Bei den verschiedenen Diskussionen, die auf dem Kongress zum Thema stattfanden, wurde aber auch immer wieder deutlich, dass der ganze UNICEF-Skandal auch eine Chance ist: Die Chance, in der Öffentlichkeit deutlich zu machen, dass die professionelle Werbung um Unterstützerinnen und Unterstützer einer guten Sache natürlich auch Geld kostet und dass es eine Illusion ist, dass 100% der Spendenmittel dem Projekt zufließen, für welches um Unterstützung geworben wird.
Auch bei mir als Fundraiser in der Kirche ist das so. Zwar fließen bei mir derzeit tatsächlich die 100%, aber das funktioniert auch nur, weil meine Stelle und auch die Sachmittel, die ich benötige, über Kirchensteuermittel bezahlt – oder vielleicht müsste man deutlicher sagen: Quersubventioniert – werden. Wenn ich tatsächlich die Aufwendungen für meine Arbeit, für Werbematerial, Porto, Telefon, Verwaltung etc. aufsummieren würde, würde ein gewisser Anteil der Spenden in diese Richtung abfließen müssen, sofern die Fundraisingprojekte weiter verfolgt werden sollen, in denen ich arbeite.
Wer an Berichten vom Kongress interessiert ist, kann auf meinem Fundraising-Weblog 10 „Kongress-Splitter“ lesen. In Sachen Ethik sind dabei vor allem die Splitter 10 (Fundraising Verband jetzt mit Ethik), Splitter 8 (Der Zweck und seine heiligen Mittel) und Splitter 3 (Ethik versus Professionalität?) interessant.
Foto: m-o-d – Quelle: http://www.pixelquelle.de



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