Scheitern ist menschlich

www.pixelquelle.deMit diesem Beitrag möchte ich nochmals das grundlegende Thema der Debatte um die Scheidung von Bischöfin Margot Käßmann aufgreifen: Dürfen Christinnen/Christen scheitern?

Nachdem mir die Debatte auf unserem Blog immer wieder durch den Kopf gegangen ist, habe ich heute nochmal eine sehr gute Anregung erhalten. Meine Frau hat heute über Lukas 7,36-50 gepredigt („Begegnung Jesu mit der Sünderin“): Sie führte aus, dass Jesus dieser Frau die Sünden/das Scheitern vergibt, ohne auch nur Reue oder eine Änderung ihres Verhaltens zu verlangen. Die Geschichte erzählt von Gottes großem Erbarmen, von seiner unbedingten Bereitschaft zum Vergeben.

Meine Frau zitierte in diesem Zusammenhang in ihrer Predigt auch den geistigen Vater der Methodisten, John Wesley (1703-1791), mit Worten aus einem Bevier der methodistischen Kirche:

Es wäre gut, wenn du dir dessen voll bewusst wärest, dass der Himmel ein Himmel der Liebe ist. Es gibt nichts Höheres im Glauben, es gibt wirklich nichts anderes. Wenn du nach etwas anderem als nach mehr Liebe suchst, dann schaust du weit am Ziel vorbei und verlässt den Königsweg. Es ist falsch, wenn du andere fragst: ‚Habt ihr diesen oder jenen Segen erlangt?‘ Wenn du damit irgendetwas anderes meinst als die Liebe, bringst du die Menschen vom Wege ab und leitest sie auf eine falsche Fährte. Verankere fest in deinem Herzen, dass du von dem Augenblick an, in dem Gott dich von allen Sünden erlöst hat, nach nichts anderem zu streben hast als nach mehr von der Liebe, wie sie in 1. Korinther 13 beschrieben wird. Ein höheres Ziel kannst du nicht erreichen.“ (Über allem die Liebe: ein John-Wesley-Bevier).

Kurz gesagt: Es kommt nicht darauf an, keine Fehler zu machen, sondern es kommt darauf an, zu lieben. Das bedeutet nicht „Laissez faire“ oder „Beliebigkeit“, als ob Scheitern eine positive Erfahrung wäre. Aber, um meine Frau aus ihrer heutigen Predigt zu zitieren: „Das Wesen unseres Glaubens ist Liebe üben, Menschen zu begegnen, ihnen Liebe, Zuwendung zu schenken. Ziel unseres Lebens kann es nicht sein, am letzten Tag unseres Lebens möglichst wenig Schuld aufgehäuft zu haben. Ziel unseres Lebens als Christen soll sein, möglichst viel Liebe verschenkt zu haben.“

Ich stimme meiner Frau zu: Es kommt nicht darauf an, dass alles in meinem Leben perfekt läuft. Ich darf auch scheitern. Worauf es wirklich ankommt, ist, dass ich in allem die Liebe übe.

Sehen Sie auch: > Passion of Christ: (Nicht-)Steinigung der Ehebrecherin (VIDEO) 


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Kommentare

23 Kommentare zu „Scheitern ist menschlich“

  1. Avatar von Mama_Loser
    Mama_Loser

    @ theo

    hallo

    womit ich mich anfreunden konnte, war der Gedanke an die Malchut (dem wohnt ein gän zlich anderes Jesusbild inne..abr damit wären wir auch schon bei Jesus, dem Rebellen für Gerechtigkeit. Ausdrücklich verzichtet Christa Mulack -von mir zitierte Quellen – auf die Kreuzestheologie).

    Ich glaube, eine ganz unnötige Behauptung ist es, andere Denominationen als „dann waren es keine Christen“ abzuqualifizieren. Es waren die buchstabentreuesten Bibelorientierten, die man sich vorstellen kann! Darbysten. Dispensationalisten und in dem Fall Allianzzugehörige.

    Es kam eine Phase, da machte ich Gott nicht am Christentum fest…

    Ich war in meinem Leben stets willkommen. ALs ich in den Nachkriegsjahren zu sehr alten Eltern noch auf diese Erde kam. In der „Klassenschule“ (nicht in die „a“, nicht in die „b“, sondern in die „c“) Ich war willkommen in ihrer lutherischen Kirche :-); dann machte der zweite Bildungsweg keine Mühe. Umwege waren eher Überholspur. Willkommen in den vielen Jobs. Die siebziger liberalen Jahre voller Toleranz und Miteinander anderer Kulturen. Ich war willkommen in meinem Beruf…

    Dann war ich zum ersten Mal in meinem Leben nicht willkommen SO WIE ICH WAR. Ich war „nicht richtig“, nämlich als es um einen freikirchlichen Heiratskandidaten ging…und so ist es (bei Torpedierung der Ehe) Jahrzehnte geblieben…Nicht willkommen bei Christen!

    Wenn ich an die illustre Runde mit Nina Ruge denke 🙂

    http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/11/0,1872,5559659_idDispatch:5414939,00.html

    Eí, was für ein Einvernehmen (sogar die beiden Nichterklärten)

    Was für ein Hätschelchristentum. Frau Lallinger mit ihrem Aktiengott und Reinkarnation. Einvernehmlich mit der katholischen Ordensschwester. Bischof Jaschke…lassen wir das! So viel Widersprüchlichkeit lohnt sich gleich gar nicht!Jeder weiss was, und keiner weiss nichts! Und alle zusammen streicheln sie Gott. Nur dass jeder einen anderen hat, merken sie nicht.

    Gott ist PROJEKTION 🙂
    ——————————

    Und *Scheitern…Scheitern ist ein häufiger Grund freigekauft zu werden…mit/von der „richtigen Herkunft“!

    Tja…und eine Frau Bischöfin geht nach New York 🙂

  2. ff
    vergaß noch herauszustellen, wie sich allein am Beispiel einer berufstätigen Frau und Mutter Käsmann diese christlichen Geister entzündet hatten!! Lebte sie doch nicht das, was jener Herr in der Bibel von Frauen erwartete!

    Ich sage nur: zwar bin ich gescheitert! An jenen Dogmen und Vorgaben und Weichenstellungen! MEIN Leben IST VERSAUT!!!
    Aber das Christentum selbst ist um vieles mehr…gescheitert und versaut!Insbesondere seine Repräsentanten! Weder dass es hält, was es verspricht, noch dass es selber weiss, was es will! 🙂

    Da war nicht mal ein „Gott“ 🙂

  3. ff 2

    Manifestationen Mythos und Gesellschaft

    was verstehen eigentlich jene immer unter „Matriarchat“, die es dem „Patriarchat“ entgegen setzen?! 🙂
    Die Assoziationen reichen gerade noch bis zu den Amazonen–Kriegerinnen…
    Ich denke, nach Lektüre von „Kelch und Schwert“ von Riane Eisler und Christa Mulck „Natürlich weiblich“ dürfte eine Verständigung diesbezüglich unmißverständlicher sein!

    Schon das Wissen um den menschlichen Bauplan und um das Urbild (Chromosomen)
    würden dem biblischen Mythos entgegen stehen und den eigentlichen Symbolgehalt des Lebens-und des Weitergebens des Lebens anders deuten und interpretieren…mit allen Konsequenzen!

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