Sichern sicher eine Andacht von Dekan Walter Jungbauer aus der altkatholischen Kirche.
Prophetin bzw. Prophet sein? Heute? Wozu?
Wir stehen vor Herausforderungen, die uns dazu drängen, nicht zu schweigen, sondern unseren Mund aufzutun. Auch, wenn unsere Rede vielleicht nicht perfekt ist.
Der Textabschnitt aus dem Buch des Propheten Ezechiel, der für den heutigen Sonntag vorgesehen ist, ermutigt uns dazu. Dazu ein paar Sonntagsgedanken.
Stelle dazu ein quadratisches fotorealistisches Bild mit modernen jungen Menschen

Hier ist eine Zusammenfassung der Predigt aus dem Video Prophet*in sein – Gedanken zu Ezechiel 33,7-9 – 23. Sonntag / A – Alt-Katholische Kirche Hamburg:
Der biblische Einstieg: Ezechiel als Wächter
- [00:08] Die Predigt nimmt Bezug auf Ezechiel 33,7–9: Gott beruft den Propheten zum Wächter über das Haus Israel. Ein Wächter hat die Aufgabe, Gefahren frühzeitig zu erkennen und Alarm zu schlagen – vergleichbar mit einem modernen Frühwarnsystem oder einer Warn-App.
- [01:37] Das eigentliche Problem liegt meist nicht im Fehlen von Warnungen: Menschen neigen dazu, Warnsignale zwar zu hören, danach aber ungerührt weiterzumachen wie bisher.
Historischer Kontext und der unbequeme Auftrag
- [01:59] Ezechiel wirkte ab 593 v. Chr. als Priester im babylonischen Exil, einer Phase großer Verunsicherung und gesellschaftlicher Umbrüche. Gott erteilt ihm den klaren Auftrag, aufmerksam hinzuschauen und Missstände offen anzusprechen.
- [03:00] Das Aussprechen von Warnungen ist eine undankbare Aufgabe. Unbequeme Wahrheiten stoßen oft auf Abwehr, Ausflüchte oder die Haltung, dass man doch schon immer alles so gemacht habe. Prophetisches Reden stört die gewohnte Bequemlichkeit und wird daher gerne verdrängt.
Gegenwartsbezug: Schöpfung und Klimakrise
- [04:28] Diese Verdrängung zeigt sich heute besonders beim Klimawandel. Wissenschaftliche Warnungen und sichtbare Folgen wie schmelzende Gletscher, Bergstürze oder schwere Unwetterkatastrophen werden oft ignoriert.
- [05:37] Anlässlich des ökumenischen Tags der Schöpfung wird verdeutlicht: Der Mensch ist Teil der Natur und hat keine Ersatzerde. Die bequeme Ausrede „Das konnte doch niemand ahnen“ trifft hier nicht zu.
- [07:24] Bereits vor Jahrzehnten lagen fundierte Erkenntnisse vor. Ehrlicherweise muss man zugeben, dass man die Gefahren zwar geahnt, aber oft verdrängt hat.
Die Verantwortung des Einzelnen
- [08:13] Gott verlangt vom Wächter nicht, die Welt im Alleingang zu retten oder Gehorsam zu erzwingen. Seine Pflicht besteht darin, nicht zu schweigen. Verantwortung beginnt im Kleinen: beim eigenen Konsum, persönlichen Entscheidungen und der politischen Beteiligung.
Wachsamkeit in Gesellschaft und Demokratie
- [10:01] Auch im gesellschaftlichen und politischen Raum braucht es prophetische Stimmen, die hinsehen, Gefahren benennen und widersprechen, wenn die Würde des Menschen bedroht wird.
- [15:49] Prophetisches Denken bedeutet Weitsicht: den Blick über kurzfristige Vorteile oder den eigenen Tellerrand hinaus auf kommende Generationen zu richten.
- [16:44] Prophetie ist keine Schwarzmalerei, sondern Ausdruck von Hoffnung. Wer warnt, glaubt daran, dass Veränderung und Umkehr möglich sind, solange noch gehandelt werden kann.
Schlussgedanke und Aufruf
- [18:04] Der Auftrag, als Wächter wachsam zu sein, richtet sich an alle Menschen: hinzuschauen, wo Unrecht geschieht, und den Mut zu haben, die Stimme zu erheben.
- [19:59] Christen sollen heute zu Prophetinnen und Propheten werden – Menschen, die wach sind, aufrichten, Hoffnung schenken und mit Herz statt Hetze Verantwortung für Gesellschaft, Demokratie und Schöpfung übernehmen.
- [20:37] Das Ziel bleibt, in Zukunft nicht sagen zu müssen, man habe nichts geahnt, sondern gemeinsam hingesehen, gesprochen und gehandelt zu haben. YouTube-Videoaufrufe werden in deinem YouTube-Verlauf gespeichert und deine Daten werden gemäß den Nutzungsbedingungen von YouTube gespeichert und verwendet



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