Sehen Sie hier eine Andacht von Dekan Walter Jungbauer aus der altkatholischen Kirche.
Die Aufforderung Jesu zur Vergebung ist immer wieder eine Herausforderung, die jede und jeden von uns betrifft.
Wenn eine Kluft zwischen Menschen entstanden ist, dann ist diese Aufforderung Jesu ein Aufruf, neu Brücken zueinander zu bauen, statt Mauern zwischen sich zu errichten.
Das Evangelium dieses Sonntags will uns dazu ermutigen.

Hier eine Zusammenfassung der Andacht aus dem Video Vergebung – Gedanken zu Matthäus 18,21-35:
1. Die astronomische Schuld und die Gnade des Königs
- Das Gleichnis Jesu: Ausgangspunkt ist die Erzählung aus Matthäus 18,21–35, die in drei fortlaufenden Szenen geschildert wird [00:17].
- Die Ausgangslage: Ein König rechnet mit seinen Dienern ab. Einer der Knechte schuldet ihm die gewaltige Summe von 10.000 Talenten [00:29].
- Das Ausmaß der Schulden: Ein Tagelöhner verdiente damals etwa 200 Denare im Jahr. Um 10.000 Talente (rund 60 Millionen Denare) abzubezahlen, hätte er rechnerisch rund 300.000 Jahre ununterbrochen arbeiten müssen [01:15]. Die Schuld ist menschlich gesehen völlig unabtragbar.
- Das Flehen um Geduld: Als der Herr androht, den Diener samt Frau und Kindern in die Sklaverei zu verkaufen, fällt dieser auf die Knie und verspricht, alles zurückzuzahlen [02:36].
- Das unerwartete Erbarmen: Der König reagiert überraschend: Er lässt den Mann frei und erlässt ihm die komplette Schuld bedingungslos [03:08]. Im Himmelreich regiert nicht kühle Berechnung, sondern reine Gnade [03:48].
2. Die Hartherzigkeit auf der Straße
- Die Begegnung: Kaum entlassen, trifft der Begnadigte auf einen Mitknecht, der ihm 100 Denare schuldet – etwa den halben Jahreslohn eines Arbeiters [04:08].
- Gewalt statt Mitgefühl: Statt Barmherzigkeit walten zu lassen, packt und würgt er den Mann und verlangt die sofortige Begleichung [04:50].
- Gleiche Worte, keine Wirkung: Der zweite Knecht wirft sich nieder und bittet mit exakt denselben Worten um Geduld, die der erste Knecht zuvor vor dem König gebraucht hatte [05:21].
- Harte Konsequenz: Der Gläubiger bleibt unerbittlich und lässt seinen Mitsklaven in den Schuldturm werfen [05:52]. Gesetzlich war dieses Vorgehen damals zwar gedeckt, doch zeigt es, wie schnell Menschen vergessen, wie viel Barmherzigkeit sie selbst empfangen haben [06:25].
3. Das Urteil des Königs
- Die Nachricht: Andere Mitsklaven beobachten das Geschehen bestürzt und berichten ihrem Herrn davon [07:03].
- Der Zorn des Königs: Der König zitiert den Diener erneut herbei, wirft ihm seine Unbarmherzigkeit vor und nimmt den Schuldenerlass zurück [07:41]. Wer selbst von Vergebung lebt, kann nicht gleichzeitig anderen die Vergebung verweigern.
4. Vergebung als Haltung statt Rechenaufgabe
- Grenzenlose Bereitschaft: Anknüpfend an die Frage des Petrus betont Jesus, dass man nicht bloß siebenmal vergeben soll, sondern siebenundsiebzigmal [08:45].
- Keine Buchhaltung: Vergebung darf nicht mathematisch erfasst werden. Sobald man eine Strichliste über Kränkungen führt, handelt es sich um Buchführung und nicht mehr um echte Vergebung [09:25].
- Das Vaterunser: Das tägliche Gebet erinnert daran, dass Gottes Zuspruch und das eigene Handeln untrennbar zusammengehören: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ [09:47].
5. Praktischer Impuls für den Alltag
- Umgang mit Konflikten: Auch innerhalb einer Kirchengemeinde oder im privaten Umfeld kommt es zu Streitigkeiten und Verletzungen [10:40]. Vergebung bedeutet nicht, Unrecht gutzuheißen, sondern zu verhindern, dass Wut und Groll das Herz dauerhaft vergiften.
- Liturgisches Zeichen: Dieses Geschenk spiegelt sich im Gottesdienst im Friedensgruß wider [11:21].
- Konkrete Aufforderung: Beim nächsten Friedensgruß soll man sich bewusst Zeit nehmen, einander in die Augen sehen und den Frieden von Herzen zusprechen [12:12].
- Frieden weitertragen: Diese Haltung der Versöhnung soll anschließend in die Familie, den Freundeskreis und an den Arbeitsplatz mitgenommen werden, damit Wunden im Kleinen wie im Großen heilen können [12:42]



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