
Heim ins Benehmen
Gebrüll, hämisches Gelächter und Beleidigungen knapp unterhalb der Gürtellinie: Wer heute eine Debatte im Deutschen Bundestag verfolgt, braucht starke Nerven. Seit die AfD im Parlament sitzt, ist der Tonfall hemmungslos verroht. Aus einem Ort für harte, aber respektvolle Auseinandersetzungen wurde eine Dauerbühne für Krawall, Verachtung und kalkulierte Tabubrüche. Was die Fraktion dort Tag für Tag abliefert, hat mit parlamentarischer Kultur rein gar nichts mehr zu tun – es ist die pure Pöbel-Politik.
Dabei schwingt sich ausgerechnet diese Truppe ständig zur Retterin der deutschen Leitkultur auf und schwadroniert ungeniert über sogenannte „Remigration“. Doch wenn hierzulande wirklich jemand dringend rückgeführt werden muss, dann diese Partei selbst: und zwar zurück zu den sozialen Normen, die ein zivilisiertes Zusammenleben überhaupt erst ermöglichen.
Diese Rückführung meint schlicht eine Heimkehr zu Anstand, Respekt und Verstand. Wer täglich die Institutionen verächtlich macht, politische Gegner herabwürdigt und jede sachliche Debatte in eine Schlammschlacht verwandelt, hat sich längst aus dem gemeinsamen Wertegerüst verabschiedet. Das ist kein Patriotismus, sondern soziale Verwahrlosung.
Besonders beißend wirkt das Ganze mit Blick auf die geistige Heimat der Rechtsaußen-Fraktion. Statt auf freiheitliche Werte, fairen Streit und Rechtsstaatlichkeit schielt man mit glänzenden Augen nach Moskau. Dort gilt das Recht des Stärkeren, dort wird Kritik niedergeknüppelt und Desinformation zur Staatsdoktrin erhoben. Genau diese autoritäre Kälte, diese Verachtung für das zivile Miteinander, importiert die Partei mit voller Absicht an das Rednerpult in Berlin.
Echte bürgerliche Tugenden wie Sachlichkeit, Zuhören und ein Mindestmaß an Höflichkeit sucht man vergebens. Anstelle von Argumenten gibt es Opferrollen, anstelle von Lösungen nur orchestrierte Wut. Eigentlich bräuchte es für diesen Verein einen verpflichtenden Integrationskurs in parlamentarischer Reife. Eine Nachschulung in Sachen Grundgesetz, Gewaltenteilung und Benimm wäre der erste logische Schritt, um diese Geister wieder an die demokratische Wirklichkeit anzudocken.
Wer vom Steuerzahler fürstlich dafür bezahlt wird, die Geschicke des Landes mitzugestalten, sollte wenigstens die elementaren Spielregeln der Zivilisation beherrschen. Die größte Bedrohung für unsere Kultur sitzt nicht an den Grenzen – sie brüllt auf den hinteren Bänken des Plenarsaals.



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