Was das Putin-Regime traditionell gerne nach einer Olympiade tut

Hier ist ein kleiner Ausblick auf die Zeit nach der Schlussfeier – gewohnt nüchtern betrachtet. Russland durfte offiziell an Olympia nicht teilnehmen.

Tradition verpflichtet: Warten auf den Einmarsch

In Italien gehen heute die Lichter aus, die Medaillen sind verteilt, und die Sportwelt tritt die Heimreise an. Damit beginnt offiziell die russische Hochsaison für geopolitische Umgestaltungen. Historisch gesehen ist das Ende einer Olympiade für den Kreml schließlich das, was für andere der „Cyber Monday“ ist: Der ideale Zeitpunkt, um sich unbefragt neues Territorium zu sichern.

​Das Problem im Jahr 2026: Der Terminkalender ist bereits voll. Wladimir Putin steckt in einem logistischen Albtraum. Während man 2008 und 2014 noch frisch und ausgeruht nach den Spielen zuschlagen konnte, wirkt der aktuelle Angriffskrieg gegen die Ukraine – der nun pünktlich zum vierjährigen Jubiläum am 24. Februar in die nächste Runde der Erfolglosigkeit geht – wie eine Party, die einfach kein Ende finden will.

​Man möchte fast Mitleid haben: Da möchte man traditionell ein neues Land überfallen, ist aber noch damit beschäftigt, im alten festzustecken. Es ist das klassische Dilemma des modernen Diktators – man hat den Größenwahn, aber nicht mehr das Personal, um ihn auf mehreren Bühnen gleichzeitig zu tanzen.

​Die Bilanz nach vier Jahren „Spezialoperation“ ist beeindruckend deprimierend: Unfassbares Leid, eine ruinierte Wirtschaft und das einzige Ziel – die Ukraine zu schlucken – ist so fern wie eine demokratische Wahl in Moskau. Doch Aufgeben ist keine Option. In Russland ist der Rücktritt vom Amt nämlich meistens identisch mit dem Rücktritt vom Leben. Die Lebenserwartung eines gescheiterten Autokraten sinkt in der Regel rapide, sobald er die Klinke des Kreml-Tores von außen in der Hand hält.

​Wir dürfen also gespannt sein, ob heute Nacht wieder die Raketen fliegen oder ob man sich in Moskau zähneknirschend eingesteht, dass man für einen Zweitkrieg momentan einfach nicht die Kapazitäten hat. Vielleicht reicht es diesmal auch nur für eine böse E-Mail an das IOC.

​Sollten Sie also morgen früh aufwachen und die Weltkarte sieht noch genauso aus wie heute: Schätzen Sie sich glücklich. Es liegt vermutlich nicht am plötzlichen Friedenswillen, sondern schlicht an der russischen Unfähigkeit, zwei Katastrophen gleichzeitig zu managen.


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