
Maske, Mensch oder Amt?
In den letzten Jahren taucht ein Begriff immer häufiger in kirchlichen Texten und Stellenanzeigen auf: die Pfarrperson. Für die einen ist es eine notwendige Anpassung an eine gerechtere Sprache, für die anderen klingt es hölzern und nach Bürokratie. Doch hinter der Frage, ob wir dieses Wort brauchen, steckt eine viel tiefere Debatte darüber, was eine Person überhaupt ist und warum wir den Begriff Mensch manchmal links liegen lassen.
Woher kommt die „Person“?
Das Wort Person stammt vom lateinischen „persona“ ab, was ursprünglich eine Theatermaske bezeichnete. Durch diese Maske „tönte“ die Stimme des Schauspielers hindurch (per-sonare). Es ging also von Anfang an nicht um das nackte, biologische Wesen, sondern um eine Rolle, die jemand in der Öffentlichkeit spielt.
In der Geschichte hat sich dieser Begriff stark gewandelt:
- Im Recht: Hier ist eine Person ein Träger von Rechten und Pflichten. Man muss kein lebendiger Mensch sein, um eine „juristische Person“ zu sein (wie etwa ein Verein oder eine Firma).
- In der Theologie: Hier ist der Begriff besonders wichtig, wenn es um das Wesen Jesu geht. Man spricht davon, dass er zwei Naturen (göttlich und menschlich) in einer Person vereint. Auch die Dreifaltigkeit wird oft als drei Personen in einem Gott beschrieben.
Mensch gegen Person: Eine bewusste Trennung?
Die Frage, ob eine Person nicht einfach ein „verklausulierter Mensch“ ist, trifft den Kern der Sache. Tatsächlich nutzen wir das Wort Person oft dann, wenn wir den Menschen in seiner Funktion oder seiner Rechtstellung meinen.
Wenn wir „Mensch“ sagen, schwingt meistens etwas Warmes, Biologisches und Individuelles mit. Wenn wir „Person“ sagen, meinen wir oft das Gegenüber in einem System. Das kann sich distanziert und unpersönlich anfühlen. Es ist eine Art Abstraktion. Man nimmt den biologischen Menschen und steckt ihn in eine Schablone, damit er im System (der Kirche, dem Staat, dem Gesetz) fassbar wird.
Warum also „Pfarrperson“?
Dass heute so oft von der Pfarrperson die Rede ist, hat einen praktischen Grund: Man möchte alle Geschlechter ansprechen, ohne die sperrigen Doppelnennungen (Pfarrerinnen und Pfarrer) zu nutzen.
Allerdings bewirkt dieser Begriff eine Verschiebung:
- Weg vom Individuum: Das Wort betont das Amt und die Dienstrolle.
- Hin zur Neutralität: Es soll niemand ausgeschlossen werden, aber dadurch wirkt die Bezeichnung oft blutleer.
Kritiker sagen, dass durch solche Begriffe der Mensch hinter dem Amt verschwindet. Befürworter hingegen finden, dass gerade die „Persona“ – also die Maske des Amtes – schützt. Wer als Pfarrperson handelt, tut dies nicht als Privatperson, sondern in einer offiziellen Rolle.
Ein Blick auf das Ganze
Ob man das Wort braucht, hängt davon ab, was man erreichen will. Sucht man eine geschlechtsneutrale Abkürzung für die Verwaltung, ist die Pfarrperson zweckmäßig. Sucht man jedoch die Nähe und das Menschliche in der Seelsorge, wirkt der Begriff oft wie eine Barriere.
Die Person ist also tatsächlich eine Art „verklausulierter Mensch“ – aber diese Verklausulierung ist oft Absicht. Sie trennt das Private vom Dienstlichen. Ob das in einer Gemeinschaft, die vom persönlichen Glauben lebt, der richtige Weg ist, bleibt eine Streitfrage. Am Ende entscheidet wohl der Klang im Ohr: Für die einen ist es moderne Gerechtigkeit, für die anderen ein Verlust an Lebendigkeit.



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