Der unüberwindbare Graben …

​Es sind Nachrichten, die einem den Atem stocken lassen. Nicht mehr nur die Front brennt, sondern der Alltag eines ganzen Landes wird in Schutt und Asche gelegt. Wenn man hört, dass in Fastiw, südwestlich von Kyjiw, gewöhnliche Bahnhöfe und Züge zerschmettert werden, oder in Dnipro die Postzentrale brennt, dann spürt man: Hier geht es um die Auslöschung der Ukraine.

​Putin hat eine neue Stufe der Grausamkeit gezündet. Es ist eine „Operation totale Zerstörung“, die sich mit aller Härte gegen die ukrainische Zivilbevölkerung richtet. Da werden gezielt Verteilerzentren für Krankenhäuser attackiert, damit medizinische Hilfe in der Ukraine nicht mehr ankommt. Da sitzen Menschen bis zu 16 Stunden am Tag im Dunkeln, weil das ukrainische Stromnetz zerbombt wird. Es ist ein Terror gegen die Menschlichkeit, der jeden Tag neue Wunden schlägt.

​Und genau hier entsteht dieser kalte, beklemmende Gedanke, den man kaum laut auszusprechen wagt: Wie soll man den Menschen aus Russland jemals wieder unbefangen in die Augen sehen?

​Nach dem Zweiten Weltkrieg blickte die ganze Welt voller Misstrauen auf die Deutschen. Man fragte sich bei jedem Einzelnen: Warst du dabei? Hast du geschwiegen? Hast du es gewollt? Nun richtet sich dieser Blick auf russische Menschen. Und es ist schwer, diesen Reflex zu unterdrücken. Zu monströs sind die Taten, die in ihrem Namen gegen die Ukraine begangen werden.

​Das Schlimmste ist die Ungewissheit. Wenn man einem russischen Menschen begegnet, steht sie wie eine unsichtbare Mauer im Raum: Die Frage aller Fragen. Wie stehst du zu diesem Wahnsinn, zu diesem Angriffskrieg gegen die Ukraine?

​Solange diese Frage nicht gestellt und nicht beantwortet ist, bleibt jeder Händedruck leer. Man weiß nicht, ob das Gegenüber vielleicht heimlich nickt, wenn die Raketen auf Kyjiw fallen. Man weiß nicht, ob diese Person die Aggression gegen das Nachbarland passiv duldet oder gar aktiv unterstützt. Dieses Schweigen vergiftet jede mögliche Nähe.

​Es ist traurig, aber wahr: Die einzige Brücke über diesen Graben ist die schmerzhafte Konfrontation. Ohne die klare Distanzierung vom Kreml, ohne ein offenes Wort gegen das Morden in der Ukraine, bleibt das Misstrauen der ständige Begleiter. Die Welt hat gelernt, dass Wegsehen mitschuldig macht. Und solange wir nicht wissen, wer weggeschaut hat, bleibt die Tür verschlossen.

​Die bleibende Stille

​Wir erleben eine Zeit, in der nicht nur Gebäude und Infrastruktur zerstört werden, sondern auch das Vertrauen zwischen ganzen Völkern. Die Zerstörung der Post in Dnipro vernichtet Briefe und Pakete – Symbole der Verbindung. Doch die russische Aggression gegen die Ukraine vernichtet noch viel mehr: Sie zerstört die Unschuldsvermutung.

​Wer heute schweigt, macht sich verdächtig. Und so bitter es ist: Nur die klare Antwort auf die Frage nach der eigenen Haltung zum Krieg gegen die Ukraine kann diesen Bann vielleicht irgendwann brechen. Bis dahin bleibt die Begegnung ein Tanz auf rohen Eiern, überschattet von den Bildern der Zerstörung.

Quelle: Basierend auf Informationen von BILD, Artikel von Julian Röpcke vom 07.12.2025 („Putin startet Operation totale Zerstörung“).


Entdecke mehr von god.fish

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

1 Arbeit Architektur Bayern Berlin Beziehung Beziehungen Bibel Bilder blau Blumen Christen Christentum Corona Coronavirus demokratie Details Deutschland Donald Trump EKD Essay Essen Ethik EU Europa Evangelisch Farben Flüchtlinge Fotografie Fotos frieden funny.casa Gedanken Gedichte gelb Gemeinde Geschichte Gesellschaft Gesundheit Glaube Gott grün Herbst Highlight Hoffnung Humor Impressionen italien Jesus Jesus.casa Katholisch kinder Kirche Klimaerwärmung krankheit Krieg Kultur Kunst Leben Lebenshilfe Liebe Medien menschen Menschenrechte Musik Musikgeschichte münchen München inside Nachgedacht Nato Natur neu Olaf Scholz Ostern Pandemie philosophie photography Politik Psychologie Putin Religion Russland Satire Sprache sunshine.casa Theologie Tod Toleranz Ukraine Universum Urlaub usa verantwortung video Weihnachten winter Wirtschaft yellow.casa Zivilcourage Zukunft


Kommentare

2 Kommentare zu „Der unüberwindbare Graben …“

  1. Nicht Zuletzt geht es ja immer um Vertrauen. Ist dieses erst mal beschädigt, dann kann es Generationen dauern, bis sich das Vertrauen wieder einstellt. Frei nach dem Motto: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, wenn er auch die Wahrheit spricht. Das was der Diktator Putin jetzt in ein paar Jahren bewirkt hat, wird Generationen nachhallen, selbst wenn es Putin schon lange nicht mehr gibt.

  2. Ja, das wird Russland auf viele Jahrzehnte hin brandmarken.

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von god.fish

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen