
Warum „feucht und fromm“ das Buch ist, das Du über „Purity Culture“ lesen musst
Stell dir vor, du darfst nicht daten. Nicht küssen. Nicht mal Händchenhalten, bevor du verheiratet bist. Selbstbefriedigung? Teufelszeug. Klingt nach einem Film aus den 50ern? Nope. Das ist die Realität der sogenannten „Purity Culture“ (Keuschheitskultur), die in vielen streng religiösen und freikirchlichen Gemeinschaften auch heute noch knallhart durchgesetzt wird.
Die Autorin Nana Myrrhe ist genau in so einer Welt aufgewachsen. In ihrem neuen Buch „feucht und fromm“ (Untertitel: „Die schmutzigen Geheimnisse der Purity Culture“) packt sie aus – und es ist eine Abrechnung, die es in sich hat.
Was ist „Purity Culture“ überhaupt?
Im Grunde ist es ein System, das dir von klein auf eintrichtert: Dein Wert, besonders als junge Frau, hängt direkt von deiner Jungfräulichkeit ab. Sex vor der Ehe gilt nicht einfach als „schlecht“, sondern als schwere Sünde, die deine Beziehung zu Gott und der Gemeinde zerstört.
Nana Myrrhe beschreibt in ihrem Buch, wie ihr Körper und ihre Sexualität als ständige Bedrohung dargestellt wurden. Alles, was mit Lust zu tun hat, muss kontrolliert und unterdrückt werden. Das Problem: Das funktioniert nicht, ohne massiven psychischen Druck auszuüben.
Mehr als nur „Warten bis zur Ehe“
Myrrhes Buch ist teils Biografie, teils knallharte Analyse. Sie erzählt ihre eigene Geschichte und die ist voll von Scham und Angst. Sie deckt auf, wie diese Ideologie funktioniert: Es geht um Macht und Kontrolle.
Wenn natürliche Neugier oder das erste Verliebtsein sofort als „sündhaft“ abgestempelt werden, macht das etwas mit dir. „Feucht und fromm“ zeigt die krassen Auswirkungen dieses Systems auf:
- Ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper.
- Die Unfähigkeit, gesunde sexuelle Grenzen zu setzen (weil man ja nie gelernt hat, was „gesund“ ist).
- Das Gefühl, permanent „dreckig“ oder „falsch“ zu sein.
Myrrhe nennt das Kind beim Namen: spiritueller Missbrauch. Wenn Glaube dazu benutzt wird, dir deine Selbstbestimmung über deinen eigenen Körper wegzunehmen.
Der Weg zur Befreiung
Das Buch ist aber kein reiner Downer. Es ist vor allem eine Geschichte der Befreiung. Nana Myrrhe beschreibt ihren langen und schwierigen Weg aus diesem Denkkorsett.
Sie stellt die Fragen, die sich in diesem System niemand traut zu fragen: Was, wenn Lust nichts Schlimmes ist? Was, wenn man glauben und trotzdem ein selbstbestimmtes sexuelles Wesen sein kann? „Feucht und fromm“ ist der Beweis, dass man sich seine eigene Sexualität zurückerobern kann – auch wenn der Weg dorthin hart ist.
Ein Blick auf das Wesentliche
Egal, ob du selbst religiös bist oder mit Kirche gar nichts am Hut hast: „Feucht und fromm“ ist ein aufrüttelndes Buch über Selbstbestimmung. Es zeigt, wie gefährlich Ideologien sind, die versuchen, Menschen – und ganz besonders Frauen – über ihren Körper und ihre Lust zu kontrollieren.
Es ist ein brutal ehrlicher Bericht darüber, wie man Scham ablegt und lernt, sich selbst zu vertrauen. Ein wichtiges Buch für jeden, der verstehen will, wie toxische Glaubenssätze funktionieren und wie man sich (oder anderen) hilft, daraus auszubrechen.



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