
Jeder Montagmorgen beginnt mit einer kleinen, aber entscheidenden Lüge, die ich mir selbst erzähle: Dieser Kaffee wird alles richten. Ich schleppe mich zur Maschine, vollziehe das heilige Ritual und nehme den ersten Schluck. Für etwa 30 glorreiche Sekunden bin ich ein Held. Ein Mensch, der produktiv sein könnte, der vielleicht sogar seine E-Mails mit einem Lächeln beantwortet. Eine wunderschöne, koffeinhaltige Fata Morgana.
Doch dann der unvermeidliche Blick auf den Tassengrund. Ein trauriger, brauner Rest starrt mich an und scheint zu flüstern: „War’s das schon?“ Ja, das war’s. Keine Munterkeit, keine Erleuchtung, nur noch Krümel. Und eigentlich ist das fair. Würde dieser eine Kaffee wirklich funktionieren und mich in einen übermotivierten Sonnenschein verwandeln, wäre es ja kein Montag mehr. Das würde das ganze Konzept ruinieren.
Dieser erste Kaffee ist also kein Wundermittel. Er ist nur mein offizieller Startschuss in den Wahnsinn, das symbolische Nicken, das sagt: „Okay, Montag. Du gewinnst. Aber ich hab’s wenigstens versucht.“



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