Chapeau, Mr. President

Ein unerwarteter Frieden und die Ethik des Erfolgs

Es ist eine Nachricht, die viele in ungläubiges Staunen versetzt: Donald Trump, eine der umstrittensten Figuren der Weltpolitik, hat anscheinend geschafft, woran andere zwei Jahre lang verzweifelt sind. Er hat einen Waffenstillstand im Gazastreifen durchgesetzt. Man mag von dem Mann halten, was man will, aber aus ethischer Sicht muss man die Frage stellen: Wenn das Ergebnis die Rettung von Menschenleben ist, gebührt dem Vermittler dann nicht auch Hochachtung?

Dieser Krieg, der am 7. Oktober 2023 – an Wladimir Putins Geburtstag – mit einem barbarischen Terrorakt begann, hat die Welt an den Rand der Verzweiflung getrieben. Er schien ein unlösbares Knäuel aus Hass, Gewalt und geopolitischen Interessen zu sein, in das auch die finstere Achse aus Hamas, Iran und Russland verwickelt ist. Die Bilder aus Gaza waren ein täglicher Albtraum, eine humanitäre Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes. Und nun? Schweigen die Waffen.

Während Trump beim russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bislang praktisch nichts ausrichten konnte, hat er im Nahen Osten seinen Einfluss auf eine Weise geltend gemacht, die man, wie Jan Roß in der ZEIT schreibt, als „enorm und segensreich“ bezeichnen kann. Es ist ein Beweis dafür, dass die USA in dieser Weltgegend noch immer eine dominierende Supermachtrolle spielen, wenn sie es denn wollen.

Trumps Methode war dabei so simpel wie brutal. Er hat den Befriedungsprozess zu seiner persönlichen Sache gemacht. Einerseits machte er der Hamas unmissverständlich klar, dass er ihrer kompletten Vernichtung zuschauen würde, sollten sie nicht kapitulieren. Andererseits zeigte er dem israelischen Premier Netanjahu mit einer fast schon demütigenden Härte die Grenzen seines Spielraums auf. Dieser Doppelgriff hat funktioniert.

Das Ergebnis ist nicht perfekt. Die längerfristige Zukunft ist ungewiss. Israel hat diesen Krieg gewonnen, aber nur zu gigantischen Kosten, sowohl an menschlichem Leid als auch an internationalem Ansehen. Die Hamas hat verloren, und wie es in der ZEIT heißt, „das war unbedingt nötig“.

Am Ende steht jedoch ein Fakt, der über allem thront: Das Töten hat vorerst ein Ende, die Geiseln kommen frei, und die Menschen in Gaza können aus dem Albtraum erwachen. Aus rein ethischer Perspektive ist die Verhinderung von weiterem Leid der höchste Wert. Wer auch immer dies erreicht, hat etwas Großes vollbracht. Es ist, ob es einem gefällt oder nicht, „Donald Trumps große Stunde“.

Dafür, dass er diesen einen, verheerenden Krieg tatsächlich beenden konnte: Chapeau.

Quelle: Die Zeit, „Waffenruhe in Gaza: Donald Trumps große Stunde“ von Jan Roß, 9. Oktober 2025.


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