
Showdown mit der Religions-Polizei: Was uns wirklich dreckig macht
Eine Abordnung der Pharisäer und Schriftgelehrten reist extra aus Jerusalem an – quasi die aalglatte Chefetage der Religions-Polizei – um Jesus zu checken. Sie sehen, dass einige seiner Jünger mit „unreinen“, also ungewaschenen Händen essen. Für sie ein Skandal! Das war ein klarer Verstoß gegen die „Überlieferung der Ältesten“ – ein riesiges Regelwerk, das fromme Juden über die Jahrhunderte entwickelt hatten.
Sie stellen Jesus zur Rede: „Warum halten sich deine Leute nicht an die Tradition unserer Vorfahren?„
Jesus‘ Antwort ist eine verbale Atombombe. Er schaut sie an und zitiert den Propheten Jesaja: „Treffend hat Jesaja über euch Heuchler gesagt: ‚Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit weg von mir. Vergeblich verehren sie mich, denn was sie lehren, sind nichts als von Menschen gemachte Gebote.‘„
BÄM! Er nennt sie Heuchler. Er sagt ihnen direkt ins Gesicht, dass ihre ganze Show reine Äußerlichkeit ist. Sie polieren die Fassade, aber das Haus ist leer. Er wirft ihnen vor: „Ihr klammert euch an Menschengebote und lasst dafür Gottes Gebot fallen.„
Sein Beispiel ist knallhart: Das Gesetz Gottes sagt klar: „Ehre deinen Vater und deine Mutter“. Aber sie hatten einen Trick erfunden, das zu umgehen. Wenn ihre alten Eltern Hilfe brauchten, konnten sie einfach sagen: „Sorry, das Geld, das ich euch geben würde, ist ‚Korban’“, also eine „Opfergabe für Gott“. Damit war es für die Familie gesperrt, auch wenn sie es selbst weiter nutzten. Sie haben also eine menschliche Regel erfunden, um ein klares Gebot Gottes auszuhebeln.
Dann wendet sich Jesus an die normale Menge und ruft ihnen zu: „Hört zu und versteht! Nichts, was von außen in den Menschen hineingeht, kann ihn unrein machen. Sondern das, was aus dem Menschen herauskommt, das ist es, was ihn unrein macht.„
Das war eine Revolution! Er erklärt damit alle Speisegebote für unwichtig. Es ist nicht das, was du isst, das dich vor Gott „dreckig“ macht. Es ist das, was in deinem Herzen ist. Später erklärt er es seinen Jüngern nochmal genauer:
„Checkt ihr es immer noch nicht? Alles, was du isst, geht durch den Magen und wird wieder ausgeschieden. Aber das, was aus dem Herzen kommt, das ist der wahre Dreck.“ Und dann zählt er auf, was er meint:
- böse Gedanken
- Untreue in der Partnerschaft
- Diebstahl
- Mord
- Gier
- Bosheit
- Neid
- Lästerung
- Stolz
- und jede Art von Dummheit und Rücksichtslosigkeit.
„All dieses Böse“, sagt er, „kommt von innen heraus und macht den Menschen wirklich unrein.“ Jesus verlegt das Zentrum der Moral weg von äußeren Regeln hin zum inneren Zustand des Herzens. Eine saubere Seele ist wichtiger als saubere Hände.
Eine freche Heidin und die Krümel unterm Tisch
Nach dieser Konfrontation zieht sich Jesus zurück und reist in die heidnische Gegend von Tyrus. Er will inkognito bleiben, aber sein Ruf ist ihm vorausgeeilt.
Eine Frau, eine Syrophönizierin, also eine Nichtjüdin, hört von ihm. Ihre kleine Tochter wird von einem Dämon gequält. Sie stürmt ins Haus, wirft sich Jesus zu Füßen und fleht ihn an, ihre Tochter zu heilen.
Jesus‘ Antwort ist auf den ersten Blick schockierend, fast schon beleidigend. Er sagt: „Lass zuerst die Kinder satt werden. Es ist nicht recht, das Brot der Kinder zu nehmen und es den Hunden vorzuwerfen.„
Harte Worte. „Die Kinder“ – damit meint er das Volk Israel. „Die Hunde“ – das war damals eine gängige, abfällige Bezeichnung für Heiden. Er stellt damit die gängige jüdische Meinung dar, dass Gottes Segen zuerst für sein auserwähltes Volk da ist.
Aber die Frau lässt sich nicht abwimmeln. Sie ist nicht beleidigt, sie ist schlagfertig, mutig und voller Hoffnung. Sie kontert ihm mit einer unglaublichen Antwort: „Ja, Herr. Aber auch die Hunde unter dem Tisch fressen von den Brotkrumen der Kinder.„
Was für eine Antwort! Sie widerspricht ihm nicht. Sie sagt quasi: „Okay, ich akzeptiere die Rangordnung. Aber selbst wenn ich nur ein ‚Hündchen‘ bin, fällt nicht auch für mich ein kleiner Krümel von deinem Tisch ab? Reicht nicht ein winziger Rest deiner gewaltigen Kraft auch für meine Tochter?“
Ihre Antwort ist eine Mischung aus Demut und einem unerschütterlichen Glauben. Sie ringt mit Jesus, sie fordert ihn heraus. Und Jesus ist überwältigt von dieser Antwort. Er sagt zu ihr: „Weil du das gesagt hast, geh nach Hause. Der Dämon hat deine Tochter verlassen.„
Sie geht nach Hause und findet ihre Tochter ruhig im Bett liegen. Geheilt. Diese Geschichte zeigt: Jesu Mission sprengt von Anfang an Grenzen. Der Glaube dieser „fremden“ Frau war stärker als der vieler seiner eigenen Landsleute.
„Effata!“: Wie Jesus einem Taubstummen die Welt öffnet
Jesus reist weiter und kommt in das Gebiet der Dekapolis. Dort bringen die Leute einen Mann zu ihm, der taub war und kaum sprechen konnte. Sie bitten Jesus, ihm die Hände aufzulegen.
Jesus tut etwas sehr Persönliches, fast Intimes. Er nimmt den Mann beiseite, weg von der gaffenden Menge. Er will keine Show abziehen.
- Er legt seine Finger in die Ohren des Mannes.
- Er spuckt und berührt die Zunge des Mannes.
- Er blickt auf zum Himmel und seufzt. Ein Ausdruck tiefen Mitleids mit dem Leid der Schöpfung.
Und dann spricht er ein einziges Wort auf Aramäisch: „Effata!“ Das bedeutet: „Öffne dich!„
Im selben Augenblick geschieht es. Die Ohren des Mannes öffnen sich. Seine Zunge löst sich. Er kann deutlich hören und klar sprechen. Seine ganze Welt, die vorher still und isoliert war, wird in einer Sekunde mit Geräuschen, mit Stimmen, mit Leben gefüllt.
Jesus befiehlt den Leuten, niemandem davon zu erzählen. Aber je mehr er es verbietet, desto mehr machen sie es publik. Sie sind völlig überwältigt und sagen: „Er hat alles gut gemacht! Er lässt sogar die Tauben hören und die Stummen sprechen!“ Es ist mehr als nur eine Heilung. Jesus öffnet einem Menschen den Zugang zur Welt und zur Gemeinschaft. Er gibt ihm seine Stimme zurück.



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