Pekings Segen, Moskaus Marsch

Man könnte es fast für ein Drehbuch halten, wäre die Realität nicht so brandgefährlich. Immer wenn sich die beiden großen Autokraten unserer Zeit, Putin und Xi Jinping, die Hände schütteln, zittert irgendwo auf der Welt die Erde. Man nennt es Diplomatie. Man könnte es aber auch Terminabsprache für die nächste Eskalation nennen. Alles nur Zufall? Glauben Sie das mal keine Sekunde.

Schauen wir uns diese „Zufälle“ doch mal in ihrer brutalen Chronologie an:

  • Februar 2014: Putin und Xi treffen sich bei den Olympischen Spielen in Sotschi. Kaum ist das olympische Feuer erloschen, marschiert Russland auf der Krim ein. Reiner Zufall, natürlich. Die Athleten waren eben abgereist, da war Platz.
  • Februar 2022: Wieder Olympia, diesmal in Peking. Putin ist Ehrengast bei Xi. Kurz darauf beginnt die vollumfängliche Invasion der Ukraine. Wieder so ein Timing-Glücksgriff. Man hatte wohl einfach über das Wetter gesprochen.
  • September 2022: Gipfeltreffen in Samarkand. Man tauscht Nettigkeiten aus. Wenige Tage später verkündet Putin die Teilmobilmachung und orchestriert Scheinreferenden in besetzten ukrainischen Gebieten. Man muss wichtige Entscheidungen eben mit Freunden besprechen.
  • März 2023: Xi besucht Putin in Moskau, man spricht von „grenzenloser Freundschaft“. Kurz darauf kündigt Putin an, taktische Atomwaffen in Belarus zu stationieren. Ein Freundschaftsdienst, sozusagen.
  • September 2025: Putin und Xi treffen sich wieder, diesmal in China. Ein paar Tage später dringen 19 russische Drohnen in den polnischen Luftraum ein. Ein Test, wie es heißt. Ein Test von NATO-Reaktionen. Und wieder: Alles nur eine rein zufällige Koinzidenz.

Wer hier noch an Zufall glaubt, der glaubt auch, dass Wodka aus dem Wasserhahn kommt. Das ist kein Zufall, das ist ein Muster. Es ist eine kalkulierte und choreografierte Abfolge von Ereignissen.

Was steckt strategisch dahinter?

Lasst uns mal das Offensichtliche beiseiteschieben und ganz konkret werden. Diese Treffen sind für Putin mehr als nur Fototermine. Sie sind eine Kombination aus strategischer Rückendeckung, ökonomischer Lebensversicherung und diplomatischem Freifahrtschein.

  1. Die Absicherung nach Osten: Bevor Putin einen großen, riskanten Schritt im Westen wagt, der unweigerlich zu neuen Sanktionen und internationaler Isolation führen wird, sichert er sich seine wichtigste Flanke ab: China. Er holt sich nicht unbedingt eine Erlaubnis, aber er stellt sicher, dass Peking ihm nicht in den Rücken fällt. Xi signalisiert ihm: „Mach, was du tun musst. Wir werden es nicht gutheißen, aber wir werden dich auch nicht verurteilen. Und unsere Häfen und Märkte bleiben für dein Öl und Gas offen.“
  2. Die wirtschaftliche Komponente: Jeder dieser Eskalationsschritte kostet Unsummen und zieht wirtschaftliche Strafmaßnahmen nach sich. Das Treffen mit Xi ist Putins Art, seinen Investoren – in diesem Fall einem einzigen, riesigen Investor – zu versichern, dass der Rubel weiter rollen wird. China ist der Abnehmer für russische Rohstoffe, den der Westen nicht mehr will. Ohne diese wirtschaftliche Lebensader wäre Russland längst kollabiert.

Und was hat China davon? Der zynische Blick

Xi Jinping ist kein Wohltäter. Er spielt ein langes Spiel, und Putin ist darin eine sehr nützliche, wenn auch zunehmend abhängige Figur.

Für China ist jeder Konflikt, den Russland in Europa anzettelt, ein strategischer Segen. Warum? Weil er den Hauptgegner, die USA und ihre westlichen Verbündeten, bindet und ablenkt. Während Washington und Brüssel ihre Aufmerksamkeit, ihr Geld und ihre Waffen nach Kyjiw und an die NATO-Ostflanke schicken, hat Peking mehr Spielraum im indopazifischen Raum. Taiwan rückt so ein kleines Stück näher in Pekings Reichweite.

Russland wird zum nützlichen Rammbock, der die ungeliebte, von den USA dominierte Weltordnung erschüttert. Und ganz nebenbei wird Moskau zu einem völlig abhängigen Juniorpartner degradiert, der sein Öl, Gas und seine Rohstoffe zu Freundschaftspreisen an den großen Bruder im Osten verkaufen muss.

Somit ist also glasklar: Die Drohnen über Polen sind in diesem Szenario nicht nur eine Provokation. Sie sind ein Testballon, der nach einem weiteren dieser Treffen gestartet wurde. Ein Test, der ohne die stillschweigende Duldung und den wirtschaftlichen Schutzschild aus Peking undenkbar wäre.

Hören wir also auf, von Zufällen zu sprechen. Wenn diese beiden Männer sich das nächste Mal treffen, stellen Sie nicht die Frage, ob etwas passiert. Fragen Sie sich: Was wird es sein und wo? Denn das Drehbuch wird ganz offensichtlich gemeinsam geschrieben.

Quelle:


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