
Gendern oder nicht? Und was Gott damit zu tun hat…
Hand aufs Herz: Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter so sehr wie das Gendern. Es ist ein heißes Eisen, das Freundschaften spaltet und Familienessen in Debattenarenen verwandelt. Man hat das Gefühl, sich für eine Seite entscheiden zu müssen. Aber was, wenn wir das Ganze mal durch eine theologische Brille betrachten? Das Ergebnis ist ziemlich spannend und vielleicht überraschender, als du denkst.
Die eine Seite sagt: Gendern ist der Ausdruck von Gottes Schöpfung. Und das ist ein starkes Argument. Schauen wir uns die Welt an, die Gott geschaffen hat. Hat er nur eine Sorte Baum gemacht? Eine Art von Fisch? Nein. Die Schöpfung ist ein überwältigendes Fest der Vielfalt. Von der winzigsten Ameise bis zum größten Wal, von unzähligen Blumenfarben bis zu den unterschiedlichsten Menschen – Gott scheint ein Fan von Unterschieden zu sein. Wenn wir also gendern, um die Vielfalt der menschlichen Identitäten sichtbar zu machen und anzuerkennen, dann ehren wir im Grunde dieses göttliche Prinzip. Es ist ein Akt des Respekts, der sagt: „Ich sehe dich in deiner von Gott gegebenen Einzigartigkeit und will dich auch so benennen.“ Das ist gelebte Nächstenliebe, die den anderen in seiner Person voll und ganz ernst nimmt und respektiert.
Jetzt kommt aber der Clou. Die andere Seite sagt: Nicht zu Gendern ist ebenfalls ein Ausdruck von Gottes Schöpfung. Das klingt erstmal wie ein Widerspruch, aber lass es uns durchdenken. Vielfalt kann es nur geben, weil es Abgrenzung gibt. Ein Berg ist nur ein Berg, weil er sich vom Tal abgrenzt. Licht ist nur Licht, weil es die Dunkelheit gibt. Gott hat in der Schöpfungsgeschichte die Dinge voneinander getrennt: das Wasser vom Land, den Tag von der Nacht. Er hat eine Ordnung geschaffen. Sprache tut das auch. Sie schafft Kategorien, um die Welt zu verstehen. Das traditionelle, nicht gegenderte Sprechen folgt diesen alten, etablierten Strukturen. Es ist nicht zwingend ein Akt der Ausgrenzung, sondern kann auch der Ausdruck des Wunsches sein, an einer gemeinsamen, verständlichen Ordnung festzuhalten. Ohne Grenzen und Unterscheidungen wäre ja alles nur ein und dasselbe – ein Einheitsbrei.
Was bedeutet das also für uns? Es bedeutet, dass Gendern und Nicht-Gendern zwei Seiten derselben göttlichen Medaille sein können. Das eine feiert die unendliche Vielfalt, das andere die grundlegende Ordnung der Schöpfung.
Deswegen ist es völlig okay, zu gendern, wenn du damit Menschen in ihrer Identität wertschätzen willst. Und es ist genauso okay, es nicht zu tun, wenn du es tust, ohne andere bewusst verletzen oder ausgrenzen zu wollen.
Das wirklich Entscheidende ist nicht das Gendersternchen oder das generische Maskulinum. Entscheidend ist die innere Haltung. Die Frage ist nicht: „Welche Grammatik ist die heiligere?“, sondern: „Handle ich aus Liebe und Respekt für mein Gegenüber?“ Solange unsere Sprache von Nächstenliebe und dem Wunsch nach einem respektvollen Umgang geprägt ist, sind wir auf einem guten Weg. Über die Details darf dann gerne weiter diskutiert werden – aber vielleicht mit etwas weniger Schaum vor dem Mund.



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