
Zuerst ein kurzer Überblick, was in den letzten Stunden wirklich passiert ist, während die Mühlen der Diplomatie mahlen – oder eben auch nicht:
- Großflächige Angriffe auf Kyjiw: In der Nacht hat Russland die ukrainische Hauptstadt erneut massiv mit Drohnen und Raketen angegriffen. Es gibt mehrere Tote, darunter auch Kinder, und zahlreiche Verletzte. Ein fünfstöckiges Wohnhaus wurde direkt getroffen.
- Russische Vorstöße im Donbass: Russische Truppen rücken langsam, aber stetig in der Region Donezk vor, insbesondere bei Torezk und Pokrowsk.
- Ukrainische Gegenschläge: Die Ukraine hat ihrerseits russische Ölraffinerien mit Drohnen angegriffen und meldet kleinere Geländegewinne in den Regionen Sumy und Luhansk.
- Diplomatisches Ballett: Während Kyjiw brennt, schickt Präsident Selenskyj eine Delegation für Gespräche in die USA. Gleichzeitig lässt Russland durch Putins Sprecher ausrichten, ein Treffen mit Selenskyj sei vorerst ausgeschlossen.
- Trumps Treffen in Alaska: Anfang August trafen sich Donald Trump und Wladimir Putin in Alaska, um über ein Ende des Krieges zu beraten. Der jüngste Angriff auf Kyjiw wird als der erste größere seit diesem Treffen bezeichnet.
Das zynische Spiel mit der Hoffnung
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen. Da fliegt eine ukrainische Delegation in die USA, um über „Sicherheitsgarantien“ zu verhandeln. Gleichzeitig posaunt Donald Trump nach seinem völlig ergebnislosen Plausch mit Putin in Alaska in die Welt hinaus, man habe ja über Frieden gesprochen. Und was ist die prompte Antwort aus Moskau? Raketen auf Wohnhäuser in Kyjiw. Tote Kinder. Das ist die „sehr negative und arrogante“ Antwort, von der Selenskyj spricht. Und sie könnte klarer nicht sein.
Putin will den Krieg überhaupt nicht stoppen. Das ist keine Meinung, das ist eine Beobachtung. Jedes Mal, wenn der Westen auch nur leise das Wort „Friedensverhandlung“ flüstert, dreht der Kreml die Eskalationsschraube ein Stück weiter. Der ehemalige ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba bringt es auf den Punkt: „Putin glaubt, dass er den Krieg gewinnen kann und der Westen bereits schwächelt.“ Warum sollte er also verhandeln? Für ihn sind Gespräche nur eine Atempause, eine taktische Finte, um seine Truppen neu zu formieren und den nächsten Schlag vorzubereiten.
Und Trump? Der hat sich bei seinem Treffen in Alaska endgültig zu einer Witzfigur gemacht. Während er von großen Deals phantasiert, lässt Putin ihn am langen Arm verhungern und demonstriert ihm mit den Angriffen auf Kyjiw, wer hier die Regeln diktiert. Trump hat nichts erreicht. Seine Show war eine leere Hülle, die nichts an der brutalen Realität ändert: An der Front wird weiter gestorben, Russland rückt bei Pokrowsk vor und die Ukraine muss um jeden Meter Boden kämpfen.
Die ehrliche, wenn auch zynische Wahrheit ist doch: Das Gerede vom Frieden ist eine Beruhigungspille für das westliche Gewissen. Es erlaubt uns, so zu tun, als gäbe es eine einfache, diplomatische Lösung. Währenddessen fließt wieder Öl durch die Druschba-Pipeline nach Ungarn und in die Slowakei, das Geld fließt weiter nach Moskau und finanziert die nächsten Raketen.
Russland schließt ein baldiges Treffen aus, weil Putin gerade wichtigere Termine in China und Wladiwostok hat. Das ist keine diplomatische Floskel, das ist eine machtpolitische Demütigung. Es zeigt unmissverständlich: Ihr könnt reden, so viel ihr wollt. Wir machen weiter. Solange, bis wir haben, was wir wollen. Und jeder, der etwas anderes glaubt, hat den Schuss – im Gegensatz zu den Menschen in Kyjiw – noch nicht gehört.
Quelle: Die Analyse basiert auf den Informationen des Liveblogs von ZEIT ONLINE vom 28. August 2025.



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