Achtung, Vogonen am Himmel!

Vergiss alles, was du über Effizienz, gesunden Menschenverstand oder auch nur ansatzweise rationale Entscheidungen zu wissen glaubtest. Wir tauchen heute ein in die wundersame Welt der deutschen Bürokratie, die sich, wie wir feststellen werden, auf erschreckende Weise mit der Philosophie einer ganz besonderen Spezies deckt: den Vogonen. Ja, genau jenen Vogonen, die per Anhalter durch die Galaxis trampeln und für ihre unerträglich bürokratischen und seelenlosen Gedichte berühmt-berüchtigt sind.

Warum Deutschland russische Spionage-Drohnen nicht abschießen darf (und wie das Universum lacht)

Es ist eine Meldung, die selbst den hartgesottensten Zyniker ein müdes Lächeln entlockt: Russische Drohnen spähen angeblich Waffentransporte in Ostdeutschland aus. Und unsere Antwort darauf? Ein kollektives Achselzucken, garniert mit dem mittlerweile legendären Zitat unseres Verteidigungsministers Boris Pistorius: „Da hat man wenig Handhabe dagegen.“

„Wenig Handhabe.“ Fühlen Sie sich auch so, als würde Ihnen gerade ein vogonisches Gedicht vorgelesen? Dieses Gefühl der Ohnmacht, der erdrückenden Sinnlosigkeit? Herzlich willkommen in der deutschen Realität, die sich immer mehr in einen schlechten Science-Fiction-Roman verwandelt.

Das Handbuch der Vogonischen Überlebenstaktiken (Band 1: Erdulde)

Stellen Sie sich vor, die Vogonen wollten die Erde sprengen (was sie ja bekanntermaßen auch taten). Aber vorher müssten sie in Deutschland einen Antrag auf Planfeststellung stellen. Und selbst wenn die Formulare (selbstverständlich in dreifacher Ausfertigung und mit beglaubigten Kopien des vogonischen Passierscheins B-2) korrekt eingereicht wären, würden unsere Beamten wahrscheinlich feststellen: „Tja, für die Genehmigung zur Sprengung von Himmelskörpern ist hier das Amt X zuständig, aber nur, wenn es sich um Himmelskörper unter 10.000 Kilometern Durchmesser handelt. Für größere Objekte ist Amt Y in der Parallelgalaxis zuständig. Außerdem fehlt das Formular Z, Abschnitt 7b, zur Bestätigung der Nichtbeeinträchtigung des regionalen Feldhamsterbestandes.“

Genau so fühlt sich die Drohnen-Affäre an. Da schwebt ein feindliches Aufklärungsinstrument über deutschen Häfen und Eisenbahnanlagen, und unsere Reaktion ist: „Die Bundeswehr ist nicht zuständig für ziviles Territorium.“ Wer ist es dann? Die örtliche Polizei in Rottendorf, Bayern, die ihre Drohnenabwehr-Schulung vielleicht noch vor sich hat? Oder vielleicht das Amt für Vogelflugobjekte, welches sich noch in der Gründungsphase befindet?

Der Kern des vogonischen Problems ist nicht Boshaftigkeit, sondern unüberwindbare, selbstauferlegte Bürokratie. Und genau das sehen wir hier. Es geht nicht darum, dass wir keine Technologie hätten. Wir könnten diese Drohnen wahrscheinlich vom Himmel pusten. Aber wir DÜRFEN NICHT. Oder zumindest nicht, ohne vorher 27 Paragrafen zu prüfen, drei Ministerien zu koordinieren und einen Runden Tisch abzuhalten, bei dem alle Betroffenen (inklusive die Drohne selbst, falls sie einen Anwalt hat) angehört werden.

Zuständigkeit: Ein vogonisches Wort für „Keiner ist schuld“

Pistorius‘ Aussage, „Die Zuordnung, von wo aus Drohnen gesteuert werden, ist oft sehr schwierig“, klingt wie direkt aus einem vogonischen Dekret. Warum kompliziert, wenn es auch unmöglich geht? Die Ironie ist, dass der Schutz militärischer Anlagen verstärkt wurde. Super! Solange die russischen Drohnen also schön brav über dem zivilen Luftraum bleiben und keine Kasernen fotografieren, sind wir quasi machtlos. Das ist wie ein Vogone, der seine Raumschiff-Türen mit 17 Schlössern sichert, aber vergisst, die Außenhülle zu reparieren.

Die Kommentare unter dem Artikel bringen es auf den Punkt: „Man kann nichts dagegen machen? Was ist das denn für eine Aussage?“ fragt Petman1. Oder zaralexander: „Schwaches Argument. Vielleicht sollte Deutschland mal was dagegen tun? ‚Ist halt so‘ ist für Institutionen und Regierungsstellen, die satte Budgets verwalten, wohl keine Aussage.“

Es ist, als würden die Vogonen uns zurufen: „Wir verstehen ja, dass ihr keine Lust auf unser Gedicht habt. Aber ihr habt auch keinen Antrag auf Nicht-Vortrag gestellt, und Formular Gamma-7 wurde nicht rechtzeitig eingereicht. Pech gehabt!“

Das Problem ist nicht fehlende Technik. Es ist die fehlende Entschlossenheit, diese Technik anzuwenden, weil man im bürokratischen Sumpf der Zuständigkeiten und Gesetze versinkt. Eine vogonische Drohne würde niemals versuchen, über militärisches Sperrgebiet zu fliegen – sie wüsste, dass der Antrag dafür ohnehin im Unter-Unter-Amt 7b-Alpha-9-Delta landet und frühestens in 300 Jahren bearbeitet wird. Die russischen Drohnen sind da pragmatischer.

Ein Happy End nach vogonischer Art?

Was tun? Nach vogonischer Logik müssten wir ein „Bundesamt für die Abwehr illegaler unidentifizierter Flugobjekte im zivilen Luftraum“ gründen. Mit einer klar definierten „Vogonen-Protokoll-Taskforce“, die nach einem rigorosen Verfahrensleitfaden und unter Einhaltung aller Datenschutzbestimmungen (man will ja keine Drohnenrechte verletzen!) die Lage sondiert. Bis dahin hat der Kreml wahrscheinlich schon die Baupläne für das nächste Atomkraftwerk aus der Luft gefilmt und die Standortentscheidung für den neuen Flughafen in Berlin-Brandenburg überwacht – die war wahrscheinlich spannender.

Vielleicht sollten wir uns ein Beispiel an Arthur Dent nehmen. Manchmal muss man einfach rufen: „Halt!“ und versuchen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, statt auf den vogonischen Papierkram zu warten. Denn am Ende des Tages – oder am Ende der Galaxis – ist Handlungsfähigkeit wichtiger als die perfekte Ablage von Formular X, Y oder Z.

Quelle: DIE ZEIT, 28. August 2025.


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