
Man reibt sich die Augen in Berg am Laim.
Ist das noch München?
Wo mehr oder weniger hübsche Altbauten sonst die visuelle Leitplanke bilden, fällt einem plötzlich das hier vor die Füße.
Ein Gebäude, als hätte ein Riese mit sehr teuren Legosteinen gespielt und den Turm kurz vor dem Einsturz sich selbst überlassen.
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Die Rede ist vom Hotel in der „Macherei“.
Ein Name, der Arbeit, Schweiß und ehrliches Handwerk verspricht.
Und was liefern die New Yorker Architekten von HWKN?
Ein Bauwerk, das aussieht wie die materialisierte Version eines digitalen Glitches.
Kontrolliertes Chaos in Ziegelform.
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Man muss es ihnen lassen: Mutig ist das allemal.
Die Fassade aus ehrlichem Backstein erdet das Ganze gerade so weit, dass es nicht völlig ins All abhebt.
Doch die versetzten, auskragenden Blöcke schreien geradezu: „Seht her, wir können auch anders!“
Es ist ein architektonischer Stunt, ein perfekt ausbalancierter Jenga-Turm kurz vor dem entscheidenden Zug.

Die Frage bleibt, was hier eigentlich „gemacht“ wird.
Ist die Architektur selbst schon das fertige Produkt?
Eine brutal ehrliche und atemberaubend fotogene Hülle für die üblichen Verdächtigen des New-Work-Evangeliums?
Oder ist das hier mehr als nur die nächste austauschbare Instagram-Kulisse für Kreativ-Nomaden?
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Man ist hin- und hergerissen.
Ist das genial oder einfach nur ein extrem gut gemachter Blender?
Vielleicht ist es beides.
Eines hat die „Macherei“ mit diesem Bau aber ohne Zweifel geschafft:
Sie ist definitiv nicht langweilig.
Und das ist in manchen Ecken Münchens ja schon ein halber Sieg.




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