
Ein goldener Sockel für den Präsidenten, und im Gegenzug fallen lästige Zölle weg. Was sich im ersten Moment wie ein schlechter Witz anhört, ist ein Paradebeispiel für die Art und Weise, wie Donald Trump Macht ausübt. Der von Rieke Havertz für ZEIT ONLINE verfasste Kommentar liefert eine Steilvorlage, um dieses Vorgehen zu analysieren und die Begriffe dafür zu finden. Es ist eine Mischung aus knallhartem Geschäftssinn, autoritären Anwandlungen und einer medialen Dauerberieselung, die Methode hat.
Das Prinzip „Eine Hand wäscht die andere“: Der Transaktionalismus
Das Herzstück vieler Handlungen Trumps ist das, was der Artikel als „transactional“ beschreibt. Das Treffen mit Apple-Chef Tim Cook ist dafür ein perfektes Beispiel. Es gibt nicht einfach nur ein Gastgeschenk. Nein, es ist eine maßgeschneiderte Trophäe, die Trumps Geschmack treffen soll: Gold, „Made in USA“, entworfen von einem Ex-Soldaten. Die Gegenleistung folgt prompt: Apple wird von Zöllen ausgenommen, was dem Unternehmen hunderte Millionen Dollar spart. Als Dankeschön stockt Cook seine Investitionszusage für die USA auf.
Diese Art von Politik nennt man Transaktionalismus. Es ist im Grunde die Übertragung eines Geschäftsmodells auf das Regieren. Politische Entscheidungen werden zu direkten Tauschgeschäften. Es geht nicht um das Gemeinwohl, um Gesetze oder langfristige Strategien, sondern um den persönlichen Vorteil und unmittelbaren Nutzen. Loyalität und Geschenke werden belohnt, Kritik oder mangelnde Unterwürfigkeit bestraft. Der Artikel bringt es auf den Punkt, wenn er von einer „Gefälligkeitsabsprache, die Trump nach Laune und vielleicht auch nach Größe des Geschenks vergibt“ spricht. Es ist ein Politikstil, der die Grenzen zur Korruption bewusst verschwimmen lässt.
Der „Diktatoren-Move“: Autoritäre Züge und die Aushöhlung der Demokratie
Doch Trump verlässt sich nicht nur auf Deals. Wenn ihm etwas nicht passt, greift er zu Mitteln, die man sonst eher aus Autokratien kennt. Der Artikel nennt es treffend einen „Diktatoren-Move„. Konkrete Beispiele untermauern dies:
- Die Entlassung der Chefstatistikerin: Die Arbeitslosenzahlen sind nicht gut? Dann sind nicht die Zahlen das Problem, sondern die Person, die sie präsentiert. Dies ist ein direkter Angriff auf die Unabhängigkeit staatlicher Institutionen. Wenn Fakten nicht zur politischen Erzählung passen, werden sie oder ihre Überbringer einfach beseitigt.
- Die Instrumentalisierung von Behörden: Das FBI soll Jagd auf politische Gegner machen, die Einwanderungsbehörde ICE soll menschenverachtende Abschiebequoten erfüllen. Hier werden Staatsorgane, die dem Gesetz und dem Volk verpflichtet sein sollten, zu persönlichen Werkzeugen des Machthabers umfunktioniert.
- Die Kontrolle über das Narrativ: Selbst vor der Kultur macht der Druck nicht halt. Wenn das Weiße Haus ein Museum dazu bringt, die Darstellung von Trumps Amtsenthebungsverfahren „anzupassen“, ist das ein Versuch, die Geschichtsschreibung zu manipulieren und eine genehme Version der Realität durchzusetzen.
All diese Punkte sind Elemente eines autoritären Machtanspruchs. Es geht darum, Kontrollmechanismen auszuschalten, die Gewaltenteilung zu untergraben und die eigene Macht zu zementieren.
Die Strategie der Überflutung: Ablenkung durch Dauerfeuer
Warum aber bekommen wir das alles oft nur am Rande mit? Weil Trump und seine Ideologen eine weitere, extrem wirksame Taktik perfektioniert haben: die gezielte Überforderung der Öffentlichkeit. Der Artikel beschreibt es als „Überwältigung und Überforderung durch die schiere Anzahl an Themen, präsidialen Ordern, Tweets, Drohungen und Ablenkungsmanövern„.
Während die Welt über Trumps Wunsch nach Rohrzucker in Coca-Cola lacht oder bizarre Fotos auf dem Dach des Weißen Hauses bestaunt, werden im Hintergrund Fakten geschaffen. Diese Taktik hat mehrere Ziele:
- Ablenkung: Das Absurde und Banale zieht die Aufmerksamkeit auf sich und lenkt von den wirklich wichtigen, demokratiegefährdenden Entscheidungen ab.
- Gewöhnung und Erschöpfung: Die ständige Flut an Skandalen und Provokationen führt dazu, dass die Menschen abstumpfen. Die Empörung lässt nach, man zuckt mit den Schultern, weil man ohnehin nicht mehr hinterherkommt.
- Dominanz im Nachrichtenzyklus: Trump gibt die Themen vor. Ob positiv oder negativ, ist ihm oft egal – Hauptsache, es wird über ihn und seine Agenda gesprochen.
Somit lässt sich Trumps Methode als ein Dreiklang beschreiben: Er handelt wie ein Geschäftsmann (Transaktionalismus), der persönliche Deals über das Gesetz stellt. Er schreckt nicht vor Mitteln zurück, die demokratische Institutionen schwächen (autoritäre Taktiken). Und er verschleiert all das mit einem medialen Dauerfeuer, das die Öffentlichkeit gezielt ablenkt und ermüdet (Informationsüberflutung). Es ist ein Vorgehen, das, wie der Artikel warnt, genau von denen beobachtet wird, die es in Europa nachahmen wollen.
Quelle: Havertz, Rieke. „Donald Trump:Schauen wir schon weg?“. ZEIT ONLINE, 9. August 2025.



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