
Warum Gold die Währung der Ahnungslosen ist
Man hört es immer wieder, dieses abgedroschene Sprichwort der Massen: „Es ist ja nicht alles Gold, was glänzt.“ Es wird meist mit einem wissenden Nicken vorgetragen, als hätte man gerade eine tiefgründige Wahrheit des Universums entschlüsselt. Doch wir müssen klarstellen: Diese Binsenweisheit ist nicht nur veraltet, sie ist ein Zeugnis provinzieller Bescheidenheit. Das wahre Problem für den anspruchsvollen Geist ist nicht, dass etwas Falsches glänzt. Das wahre Drama beginnt, wenn das, was glänzt, tatsächlich nur Gold ist.
Stellen Sie sich die bittere Enttäuschung vor. Man erwartet das seltene, das exklusive, das diskrete Leuchten von etwas wahrhaft Wertvollem. Man bereitet sich innerlich auf den dezenten, fast bläulichen Schimmer von Platin vor – dem Metall der Kenner, der Könige, derer, die den Unterschied zwischen bloßem Reichtum und echter Überlegenheit verstehen. Und was bekommt man? Gold. Gewöhnliches, protziges, geradezu vulgäres Gold. Das Metall der Rapper aus den Neunzigern, der Diktatoren-Statuen und der Zahnfüllungen. Eine Beleidigung für das geschulte Auge.
Die moderne Tragödie ist nicht die Fälschung. Die moderne Tragödie ist die Mittelmäßigkeit. Man betritt eine Suite und stellt fest, dass die Wasserhähne nicht, wie man es erwarten dürfte, aus massivem Platin gefertigt sind, sondern lediglich vergoldet. Man erhält ein Geschenk und das verräterische, fast schon gelbliche Funkeln schreit einem entgegen: „Ich bin leider nur das zweitbeste Edelmetall der Welt!“ Es ist dieser Moment, in dem man höflich lächeln muss, während man innerlich die Last der eigenen Exklusivität spürt.
Denn seien wir ehrlich: Gold ist für Anfänger. Es ist das, was man kauft, wenn man noch nicht verstanden hat, dass wahrer Wert nicht schreit, sondern flüstert. Wer heute noch auf Gold setzt, der trinkt wahrscheinlich auch Champagner aus dem Supermarkt und glaubt, ein Logo auf der Handtasche sei ein Zeichen von Stil. Es ist ein Material für Menschen, die beeindrucken wollen, nicht für jene, die das gar nicht mehr nötig haben.
Daher sollten wir das alte Sprichwort endlich auf den Müllhaufen der Geschichte werfen. Der Satz für das 21. Jahrhundert muss lauten: „Es ist ja nicht alles Gold, was glänzt. Manchmal ist es Gott sei Dank Platin.“ Nur so können wir die wirklich wichtigen Dinge im Leben unterscheiden: den profanen Glanz für die Vielen vom subtilen Schimmern für die Wenigen. Alles andere ist nur glänzender Trost für die, die sich mit weniger zufriedengeben. Und das, mein Freund, ist die eigentliche Täuschung.



Kommentar verfassen