Joe Bidens verhängnisvoller Fehler

Wie die Demokraten Trump den Weg ebneten

Also, reden wir mal Klartext darüber, was da bei der letzten US-Wahl eigentlich schiefgelaufen ist. Das Ergebnis kennen wir ja alle: Donald Trump ist wieder im Weißen Haus, und viele fragen sich, wie es so weit kommen konnte. Die Antwort ist komplizierter als eine einzige misslungene TV-Debatte, aber genau diese Debatte war der Auslöser für eine Kettenreaktion, die am Ende alles zum Einsturz brachte.

Der Knackpunkt war ohne Zweifel der 27. Juni 2024. An diesem Abend trafen Joe Biden und Donald Trump im TV-Duell aufeinander, und es war ein Desaster für den amtierenden Präsidenten. Biden wirkte fahrig, verlor den Faden und hinterließ den Eindruck, der Aufgabe nicht mehr gewachsen zu sein.

Nun kam von seinem Sohn, Hunter Biden, eine Erklärung dafür, die aufhorchen lässt: Sein Vater sei nach mehreren anstrengenden Reisen einfach nur „müde wie Sau“ gewesen. Das Team habe ihm daraufhin das Schlafmittel Ambien gegeben, damit er zur Ruhe kommt. Das Ergebnis: Auf der Bühne wirkte er dann „wie ein Reh im Scheinwerferlicht“.

Ob diese Erklärung nun stimmt oder nicht, ändert aber nichts am Kern des Problems. Der eigentliche, der fundamentale Fehler, war nicht eine Tablette, sondern Joe Bidens Hybris und seine falsche Selbsteinschätzung. Er und sein innerer Zirkel waren felsenfest davon überzeugt, dass nur er Trump schlagen könne.

Diese felsenfeste Überzeugung führte zu zwei katastrophalen strategischen Entscheidungen:

  1. Keine parteiinternen Vorwahlen: Die Demokraten verzichteten komplett darauf, einen offenen Wettbewerb um die beste Kandidatin oder den besten Kandidaten auszurufen. Anstatt mehrere starke Persönlichkeiten ins Rennen zu schicken und zu sehen, wer sich durchsetzt, wurde alles auf eine Karte gesetzt: Joe Biden. Das war ein enormes Risiko, das die Partei am Ende teuer zu stehen kam.
  2. Der viel zu späte Rückzug: Als nach dem TV-Duell der öffentliche und parteiinterne Druck unerträglich wurde, zog Biden zwar die Reißleine – aber viel zu spätKamala Harris wurde quasi über Nacht zur Spitzenkandidatin ernannt und in ein Rennen geworfen, für das sie sich nicht durch einen eigenen, langen Vorwahlkampf hatte warmlaufen können. Sie musste eine Kampagne übernehmen, die bereits schwer angeschlagen war – eine fast unmögliche Mission.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die Niederlage der Demokraten war hausgemacht. Es war nicht nur Pech oder ein unglücklicher Auftritt. Es war das Ergebnis einer hartnäckigen Weigerung, die Realität anzuerkennen, gepaart mit strategischen Fehlentscheidungen, die Donald Trump den Weg zurück an die Macht geebnet haben. Indem man den innerparteilichen Wettbewerb verhinderte und zu lange an einem angeschlagenen Kandidaten festhielt, hat man sich selbst ins Knie geschossen.

Quelle: DIE ZEIT


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