
Warum wir andere brauchen, um nicht verrückt zu werden
Mal ehrlich: Wer von uns hat nicht schon mal gedacht, man wäre doch am liebsten allein auf einer einsamen Insel? Keine nervigen Kollegen, keine anstrengenden Familienfeste, keine schiefen Blicke beim Einkaufen. Nur ich, mein glorreiches Selbst und vielleicht eine Kokosnuss. Klingt paradiesisch, oder? Naja, die Theologie (und das echte Leben) flüstert uns da ziemlich laut ins Ohr: Pustekuchen! Wir Menschen sind scheinbar so programmiert, dass wir andere brauchen, um überhaupt klarzukommen. Und ja, das schließt auch die Leute ein, die uns manchmal tierisch auf die Nerven gehen.
Der biblische Beweis: Gott fand uns allein schon doof
Schon ganz am Anfang der größten Bestseller aller Zeiten, der Bibel, steht quasi die göttliche Diagnose: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ (Genesis 2,18). Gott, der Allmächtige, schuf Adam – und dachte sich wohl: „Huch, der wirkt ja noch unfertig, so ganz ohne jemanden zum Quatsch machen oder zum Streiten über die Fernbedienung.“ Zack, kam Eva dazu. Und damit war klar: Das menschliche Dasein ist von Grund auf ein Gemeinschaftsprojekt. Alleinsein ist vielleicht mal ganz nett für einen Abend, aber auf Dauer? Da geht uns ja glatt die Decke auf den Kopf, und wir fangen an, Selbstgespräche zu führen, die auch unsere besten Freunde besorgniserregend fänden.
Augustinus: Wir sind Gottes Abbilder – und Gott ist Teamplayer
Stellt euch vor, der altehrwürdige Augustinus von Hippo, dieser Denker-Gigant, hat schon vor über 1.600 Jahren geschnallt, dass wir Gemeinschaft brauchen. Für ihn war das keine Option, sondern quasi Teil unserer DNA. Warum? Weil wir als Imago Dei (Abbild Gottes) geschaffen sind. Und Gott? Ist keine einsame Gottheit, die im Elfenbeinturm hockt, sondern eine Trinität – Vater, Sohn, Heiliger Geist. Kurz gesagt: Gott ist ein Teamplayer! Wenn wir also Gott ähnlich sein wollen, müssen wir auch Teamplayer sein. Unser Herz ist unruhig, sagt Augustinus, bis es Ruhe findet. Und diese Ruhe, meine Lieben, findet es selten beim Binge-Watching allein auf der Couch, sondern im Miteinander. Auch wenn das Miteinander manchmal bedeutet, dass man die Ruhe danach umso mehr schätzt.
Buber: Dein Gegenüber macht dich erst zum Ich (kein Druck!)
Kommen wir zu Martin Buber, dem jüdischen Philosophen mit dem genialen „Ich und Du“-Gedanken. Er hat mal gesagt, und das ist ein Kracher:
„Durch das Du wird der Mensch zum Ich.“ (Martin Buber, Ich und Du, 1923, S. 12)
Das ist doch mal eine Ansage! Unser Ich entsteht also nicht im stillen Kämmerlein beim Betrachten des Bauchnabels, sondern erst im Kontakt mit anderen. Der andere ist nicht nur jemand, dem wir unsere Probleme erzählen, sondern der Katalysator, der uns überhaupt erst zu dem macht, was wir sind. Ohne das „Du“ wäre unser „Ich“ nur so ein halbgarer Versuch. Fühlt sich manchmal wie Druck an, aber hey, so ist das Leben!
Bonhoeffer: Christsein heißt für andere sein (und nicht nur Selfies machen)
Und dann war da Dietrich Bonhoeffer, der Theologe, der im Widerstand gegen die Nazis bewiesen hat, dass Glaube nicht nur Sonntagsfrömmigkeit ist, sondern Konsequenzen hat. Für ihn war klar: Wahres Christsein bedeutet, „für andere“ da zu sein. Nicht nur Selfies machen und auf Likes hoffen, sondern sich tatsächlich um den Nächsten kümmern. Er schrieb dazu:
„Der Mensch ist nicht dazu geschaffen, allein zu sein.“ (Dietrich Bonhoeffer, Gemeinsames Leben, 1939, S. 20)
Bonhoeffer sah die konkrete Gemeinschaft, die Kirche, als eine Art Trainingslager, wo wir lernen, Verantwortung zu übernehmen. Hier üben wir uns im Geben und Nehmen, im Aushalten und Unterstützen. Und ja, auch im Verzeihen, wenn mal wieder jemand unsere letzte Schokolade gegessen hat. Diese kleinen Alltagsschlachten formen uns mehr, als wir manchmal wahrhaben wollen.
Der Paulus-Trick: Wir sind ein Körper, auch wenn’s manchmal kneift
Dass die anderen uns „genauso…brauchen“, trifft den Nagel auf den Kopf. Das ist keine Einbahnstraße! Der Apostel Paulus hat das im Neuen Testament mit dem Bild vom Leib Christi auf den Punkt gebracht. Wir sind quasi wie ein Körper: Jedes Organ hat seine Funktion und ist auf die anderen angewiesen. Der große Zeh ist vielleicht nicht so glamourös wie das Gehirn, aber wehe, er tut weh!
„Wenn aber alle Glieder eine Aufgabe hätten, wo bliebe dann der Leib? Nun aber sind es viele Glieder, aber ein Leib“ (1 Korinther 12,19-20).
Das bedeutet: Unsere individuellen Gaben und Macken entfalten sich erst im Zusammenspiel mit anderen. Wir sind alle kleine Puzzleteile, und nur zusammen ergeben wir ein sinnvolles Bild. Manchmal hakt es, manchmal kneift es, aber ohne das andere Teil bleibt das Puzzle eben unfertig.
Kurz gesagt: Wir sind keine Inseln, sondern komplexe soziale Wesen, die einander brauchen, um nicht zu verkrüppeln oder im schlimmsten Fall nur noch mit imaginären Freunden zu sprechen. Ob wir wollen oder nicht, wir sind die Summe unserer Begegnungen. Und das ist unterm Strich doch ganz gut so, oder? Wer will schon allein auf einer Insel enden, nur mit Kokosnüssen und ohne jemanden, der einem sagt, dass man total daneben liegt?



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