
Es ist einer der ikonischsten Sätze der Science-Fiction-Geschichte, der Fans sofort aufhorchen lässt: „Wir sind die Borg. Widerstand ist zwecklos.“ Mit diesen unheilvollen Worten kündigt das kybernetische Kollektiv im Star-Trek-Universum seine Ankunft an. Es ist die Ankündigung einer vollständigen Assimilation, bei der individuelle Identitäten und Kulturen in einem einzigen, übermächtigen Bewusstsein aufgehen.
Was im 24. Jahrhundert eine galaktische Bedrohung darstellt, ist im Jahr 2025 die humorvolle und selbstbewusste Ankündigung einer der größten Veränderungen in der deutschen Medienlandschaft. Denn auch hier wird nun assimiliert: ZEIT ONLINE wird vollständig in die Muttermarke DIE ZEIT integriert.
Der ZEIT-Artikel, der darüber informiert, trägt nämlich den Titel: „Wir sind die ZEIT“ .
Der „Widerstand“ war auch hier zwecklos, wenn auch aus gänzlich anderen Gründen. Er war nicht deshalb zwecklos, weil eine überlegene Macht ihn gebrochen hätte, sondern weil die Entwicklung unumgänglich und folgerichtig war. Eine große, repräsentative Studie hat gezeigt, dass die Leserinnen und Leser selbst die treibende Kraft waren – für sie existierte im Grunde schon immer nur DIE ZEIT. Die Zusammenführung ist also weniger eine Übernahme als die längst überfällige Anerkennung einer Realität.
Hinter dieser spielerischen Anleihe verbirgt sich eine tiefgreifende strategische Neuausrichtung. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:
- Einheitlicher Markenname: Der Name ZEIT ONLINE wird aufgegeben. Sowohl die wöchentliche Zeitung als auch alle digitalen Kanäle firmieren ab sofort unter DIE ZEIT. Auch der Zusatz „Wochenzeitung für Politik Wirtschaft Wissen und Kultur“ in der gedruckten Ausgabe entfällt.
- Zusammenführung der Redaktionen: Aus den bisher getrennten Redaktionen für Print und Online wird ein gemeinsames Haus. Dieser Prozess soll in den kommenden zwei Jahren abgeschlossen sein. Die Investigativteams sind bereits fusioniert, die Chefredaktionen wurden ebenfalls kürzlich zusammengelegt, um den Prozess anzuführen.
- Strategie aus einer Position der Stärke: Die Fusion erfolgt nicht aus einer Notlage heraus. Die gedruckte Auflage ist stabil, während die Mehrheit der neuen Abonnenten über die digitalen Angebote gewonnen wird. Digitalabonnenten stellen inzwischen die Mehrheit der zahlenden Leser.
- Ein gemeinsames Rollenmodell: Das kürzlich geschaffene „Politische Feuilleton“ wird als Blaupause für die zukünftige Zusammenarbeit gesehen. Hier sollen die Tiefe und Ausgeruhtheit der Wochenzeitung mit der Aktualität des Online-Journalismus verbunden werden.
Die Chefredakteure Giovanni di Lorenzo und Jochen Wegner betonten, dass dieser Schritt die logische Konsequenz aus der Entwicklung der letzten Jahre ist, in denen beide Redaktionsteile immer enger zusammengewachsen sind, um nun wirklich ein Kollektiv zu werden.
Quelle: DIE ZEIT




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