
Ah, die Hochzeit des Jahres in Venedig – Jeff Bezos und Lauren Sánchez geben sich die Ehre, oder besser gesagt, das Geld aus. Angeblich 10 Millionen Dollar für eine dreitägige Sause, die die halbe Stadt lahmlegen soll. Die üblichen Verdächtigen der Promi-Welt sind natürlich auch dabei. Und klar, es gibt ordentlich Proteste gegen diese extravagante Milliardärs-Feier.
Der zynische Blick auf die Empörten
Ach, die Heuchelei der Empörung ist einfach köstlich, nicht wahr? Da wird Bezos als das personifizierte Übel dargestellt, weil er es wagt, seine Liebe (und seinen Reichtum) in Venedig zu zelebrieren. Es wird gejammert über die Absperrungen, die angebliche Besetzung der Stadt und die Frechheit, dass jemand so viel Geld ausgibt.
Aber mal ehrlich: Die gleichen Leute, die sich jetzt als moralische Instanz aufspielen und gegen den „Superkapitalisten“ wettern, sind doch oft die Ersten, die mit leuchtenden Augen ihre Amazon-Pakete entgegennehmen. Die, die über Arbeitsbedingungen und Steuerflucht klagen, während sie mit einem Klick das billigste Produkt bestellen, das nur Amazon liefern kann. Plötzlich ist der Reichtum abstoßend, wenn er in Form einer glamourösen Hochzeit daherkommt und nicht in Form eines bequemen Online-Einkaufs, der uns ein paar Euro spart.
Es ist doch herrlich scheinheilig, sich über die „Oligarchie“ aufzuregen, während man selbst fleißig zur Konsumgesellschaft beiträgt, die solche Vermögen überhaupt erst möglich macht. Die Wahrheit ist doch: Der Neid sitzt tiefer als jede prinzipielle Ablehnung. Wenn es nur ums Geld ausgeben geht, dann ist es plötzlich ein Skandal, aber wenn es um den eigenen Vorteil geht, dann sind die moralischen Bedenken plötzlich ganz kleinlaut. Also lasst sie doch feiern, diese Milliardäre. Und ihr? Klickt weiter und tut so, als würde euch das stören. Venedig jedenfalls, bekommt von der Hochzeit auf einer vorgelagerten Insel unauffällig wenig mit.
Quelle: Alexander Krex für ZEIT ONLINE, „Venedig bleibt stabil“, 27. Juni 2025.



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