
Wie Lastenräder die Herrschaft über unsere Radwege übernehmen
Sie sind groß. Sie sind schwarz. Sie glänzen gefährlich im Sonnenlicht. Und sie rollen erbarmungslos durch urbane Gefilde: Lastenräder mit Regenhaube – die Schlachtschiffe der Radwege.
Wo früher noch zierliche Hollandräder mit Klingel und Korb freundlich nebeneinander dahinrollten, herrscht heute eine neue Ordnung. Wer sich einem dieser pedalbetriebenen Großraumtransporter in den Weg stellt, wird gnadenlos an den Rand gedrängt – oder gleich überrollt. Kinderwagen, Hunde, Scooter – nichts ist sicher vor der gepanzerten Front des modernen Familienfrachters.
In ihrem Inneren transportieren sie nicht selten wertvolle Fracht: zwei Kinder, ein Wochenendeinkauf und einen Latte Macchiato to go – alles wetterfest geschützt unter einer durchsichtigen Haube, die jedem NASA-Modul zur Ehre gereichen würde. Wer glaubt, es handele sich um ein Fahrrad, der irrt. Es ist ein Statement. Ein rollendes Symbol für ökologisches Gewissen, gepaart mit territorialem Anspruch.
Auch auf Parkplätzen geben sie sich selbstbewusst: Quer über die halbe Abstellfläche, zwei Ständer ausgefahren wie die Anker eines Kreuzers, verteidigen sie ihren Platz mit der Behäbigkeit eines trägen Wals.
Doch wehe, man wagt es, ihnen auf dem Radweg zu begegnen. Schon sieht man sich konfrontiert mit einer Frontscheibe auf Brusthöhe, reflektierenden Sicherheitsstreifen und einem Blick der Fahrerin, der sagt: „Ich habe drei Kita-Termine, einen Biomarkt und 40 Kilo Verantwortung – weiche!“
Liebe Fußgänger, liebe Radfahrer: Die Zukunft gehört den Muskulogistikern. Wer überleben will, zieht sich an den Rand und salutiert. Und wer wirklich mutig ist, kauft sich selbst ein solches Biest – und beginnt seine Herrschaft über den Asphalt.



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