
Berlin, wir haben ein Problem. Das Land taumelt, die Ampel ist tot, und die neue GroKo 2.0 kriegt nicht mal die einfachste Pflichtübung hin: einen Kanzler wählen. Was in jedem Schülerrat klappt, versagt nun auf der großen Bühne der Bundespolitik – Friedrich Merz wurde durchgewunken und dann von den eigenen Leuten abgesägt. Ein politisches Schmierentheater, das an Tragikomik kaum zu überbieten ist.
310 Stimmen – sechs zu wenig. Sechs. Man stelle sich das bildlich vor: Ein halbes Dutzend Abgeordnete, die sich dachten: Nö, heute nicht. Das ist kein politischer Diskurs mehr, das ist Kindergarten mit Diäten.
Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik hat ein bereits koalitionsgesegneter Kanzlerkandidat im ersten Wahlgang verloren. Aber wer braucht schon Stabilität, wenn man Intrigen, Eitelkeiten und den süßen Duft der Selbstzerstörung haben kann?
Was bleibt? Beratungen. Fraktionssitzungen. Geduld. Und die Hoffnung, dass sich nicht im dritten Wahlgang plötzlich ein rechter Stimmenblock aus der Höhle der Demokratiefeinde dazugesellt. Denn dann wird’s richtig hässlich.
Man muss sich fragen: Wollt ihr den totalen Parlamentarismus? Oder doch lieber eine funktionierende Regierung?
Aber hey – läuft doch. Hauptsache, irgendwo wird wieder über Gendersternchen diskutiert, während der Kanzlerstuhl leer bleibt und die Welt uns beim Wanken zusieht.
Quelle ZEIT ONLINE, „Zweiter Wahlgang: Wie geht es jetzt weiter?“ – 6. Mai 2025



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