Nach dem Papst ist vor dem Papst

Symbolbild

Machtkampf um die Zukunft der katholischen Kirche

Mit dem Tod von Papst Franziskus beginnt für die katholische Kirche eine entscheidende Phase: Die Wahl seines Nachfolgers wird zum globalen Richtungsstreit zwischen liberalen und autoritären Kräften. Der Vatikan ist erneut im Zentrum weltpolitischer Aufmerksamkeit.

Unter Franziskus öffnete sich die Kirche behutsam für soziale Reformen, zeigte sich offen gegenüber Migration und setzte Zeichen für die Akzeptanz homosexueller Paare. Diese liberalen Tendenzen riefen starken Widerstand konservativer Kräfte hervor, die nun ihre Chance sehen, einen Papst zu installieren, der ihre traditionellen, autoritären Vorstellungen vertritt.

Besonders aktiv im Hintergrund: das Team Trump. Nach dem Wahlsieg von US-Präsident Donald Trump positionieren sich erzkonservative US-Katholiken, etwa Brian Burch, designierter US-Botschafter beim Vatikan und scharfer Kritiker des bisherigen Papstes. Trump und seine Verbündeten hoffen auf einen Papst, der nationalistische Werte vertritt und sich gegen multilateralistische Positionen ausspricht.

Auch in Afrika haben konservative Kirchenkreise erheblichen Einfluss, etwa repräsentiert durch Kardinal Robert Sarah, einen dezidierten Kritiker des liberalen Kurses von Franziskus. Der Ausgang des kommenden Konklaves, der geheimen Wahlversammlung der Kardinäle, ist daher völlig offen.

Ein entscheidender Faktor ist, dass viele Kardinäle sich kaum kennen. Dies erhöht die Unberechenbarkeit der Wahl. Auch wenn Franziskus viele neue Kardinäle ernannte, ist keineswegs gesichert, dass sein Nachfolger eine liberale Richtung fortführen wird.

Die Wahl des neuen Papstes könnte weitreichende Folgen haben – nicht nur für Katholiken, sondern für den globalen ideologischen Konflikt zwischen Liberalismus und Autoritarismus. Damit ist klar: Die Entscheidung im Konklave ist eine Entscheidung, die die politische wie moralische Orientierung von über einer Milliarde Katholiken und darüber hinaus prägen wird.

Quelle: Schwarz, Patrik. „Nachfolger von Papst Franziskus: Im Team Trump fehlt noch ein Papst“, Zeit Online, 22. April 2025.


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Kommentare

2 Kommentare zu „Nach dem Papst ist vor dem Papst“

  1. Danke für den Beitrag. Wichtiges Thema – wer kommt danach? Für mich (ich bin Protestant!) war Franziskus ein leuchtendes Vorbild an Bescheidenheit, Mut, Brücken bauen und … Schöpfung retten. Nicht nur durch „laudato si“ ist Franziskus unsterblich in meine Seele eingraviert.

  2. Ja, gute Frage. Ich bin auch Protestant und mir ging es auch so mit Franziskus. Möge der liberale Kurs weitergehen.

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