Frieden um jeden Preis – solange es nichts kostet

Wieder Ostern. Wieder Friedensmärsche. Deutschlands Straßen füllen sich erneut mit Menschen, die tapfer gegen den Krieg sind – oder zumindest gegen Waffenlieferungen. Kriege finden sie grundsätzlich ganz schlimm, solange man dafür im sicheren, freien, demokratischen Deutschland demonstrieren kann und nicht extra ins Ausland reisen muss, etwa nach Moskau, wo die Täter ja sitzen. Das wäre dann vielleicht doch etwas zu unbequem, womöglich sogar gefährlich.

Stattdessen stapft man lieber moralisch aufgeplustert und zutiefst betroffen durch die Innenstädte, stets fest entschlossen, dem wahren Schuldigen – der Ukraine nämlich – die Leviten zu lesen. Warum bloß wagt es das Opfer auch, sich zu verteidigen? Waffenlieferungen? Skandalös! Man könnte dabei ja noch versehentlich Russland provozieren, indem man sich nicht widerstandslos überrollen lässt. Nein, Frieden bedeutet heute, dem Aggressor möglichst wenig Widerstand entgegenzubringen – ganz besonders, wenn man sicher zuhause auf dem Sofa sitzt und das Unrecht nur im Fernsehen sieht.

Die Logik dahinter ist so schlicht wie bequem: Waffenlieferungen stoppen, Verteidigung einstellen, eigene Aufrüstung stoppen, und schon herrscht wieder Frieden (im Kopf zumindest).

Ein bisschen Besatzung, Vertreibung, Verschleppung tausender Kinder, Todeslisten, Genozid und Unterdrückung muss man eben hinnehmen, solange der Krieg dann endlich vorbei ist – jedenfalls für deutsche Ostermarschierer. Dass man damit letztlich der russischen Aggression in die Hände spielt (und somit auch schon die nächste russische Aggression vorzubereiten hilft) und der Ukraine faktisch das Existenzrecht abspricht – geschenkt!

In Wahrheit geht es bei diesen Friedensmärschen längst nicht mehr um Frieden, sondern um die bequeme Illusion moralischer Überlegenheit. Man fühlt sich gut, weil man demonstriert – für den Frieden und gegen die bösen, bösen Waffen. Dass man damit indirekt zu Putins Handlangern wird, ist bestenfalls hoffnungslos naiv und unreflektiert, schlimmstenfalls perfide.

Aber wen interessiert schon Realität, wenn es sich viel einfacher von Frieden träumen lässt, während man gleichzeitig die Opfer dafür verantwortlich macht, dass sie noch nicht aufgegeben haben? Frieden um jeden Preis – besonders wenn für ihn andere zahlen.

Endlich wieder mit gutem Gefühl Ostereier suchen.


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Kommentare

Ein Kommentar zu „Frieden um jeden Preis – solange es nichts kostet“

  1. […] Gamma Hans Uncategorized April 19, 2025 1 Minutes Frieden um jeden Preis – solange es nichts kostet […]

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