
Quadratisch. Praktisch. Skrupellos.
Ritter Sport wirbt mit Nachhaltigkeit, Ethik und Verantwortung – doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das vermeintliche grüne Image als scheinheilige PR-Fassade. Seit nunmehr drei Jahren führt Russland eine brutale Aggression gegen die Ukraine, zerstört Leben und Städte. Doch das Familienunternehmen Ritter Sport beliefert Moskau weiterhin unbeirrt mit seiner Schokolade. Die Rechtfertigungen dafür sind bestenfalls peinlich, schlimmstenfalls zynisch.
In einem aktuellen Interview mit der ZEIT versuchen die Geschäftsführer Moritz Ritter und Tim Hoppe, ihre Entscheidung mit schwachen Argumenten und Ausflüchten zu rechtfertigen. „Gegen Lebensmittel gibt es keine Sanktionen“, heißt es etwa – als wäre Schokolade lebensnotwendig und nicht schlicht ein Luxusgut. Auf Nachfrage gestehen die Cousins ein, dass sie keinen Verlust des russischen Marktes riskieren wollen und sich im Zweifel wieder für ihre Beibehaltung des russischen Marktes entscheiden würden. Sie reden viel von Verantwortung gegenüber ihren Kakao-Bauern, doch verschweigen geflissentlich, dass auch andere Märkte erschlossen oder andere Lösungen gefunden werden könnten.
Stattdessen berufen sie sich auf ihren moralischen Ablasshandel, indem sie Gewinne aus Russland spenden. Eine nette Geste, die jedoch nicht darüber hinwegtäuscht, dass sie mit jeder verkauften Tafel das Regime Putins indirekt finanzieren. Jene Steuern, die Ritter Sport in Russland zahlt, helfen, russische Raketen und Panzer zu finanzieren – ein Zusammenhang, den das Unternehmen gerne verschweigt.
Besonders entlarvend wird es, wenn Moritz Ritter auf Gaslieferungen verweist: „Deutschland hat doch viel Gas aus Russland gekauft.“ Diese plumpe Form von Whataboutismus zeigt, wie wenig ernst man es bei Ritter Sport mit echter Verantwortung nimmt. Offenbar genügt es, auf andere mit dem Finger zu zeigen, um das eigene Gewissen reinzuwaschen. Dabei hätte das Unternehmen längst die Chance gehabt, Haltung zu zeigen und eine starke Botschaft gegen den Krieg zu setzen. Doch diese Chance hat man leichtfertig verspielt.
Dass die Ritter-Führungsebene es als ungerecht empfindet, wegen „ein bisschen Schokolade“ kritisiert zu werden, zeigt nur, wie weltfremd und arrogant man mittlerweile geworden ist. Während in der Ukraine Kinder unter russischen Bomben sterben, sorgt man sich in Waldenbuch vor allem um das eigene Geschäft und die „komplizierte Erklärung in sozialen Netzwerken“. Weshalb der ehemalige ukrainische Botschafter Andrij Melnyk ihren Slogan einst treffend zu „Quadratisch. Praktisch. Blut.“ umdeutete, scheint die Unternehmensleitung bis heute nicht wirklich begriffen zu haben – oder wahrscheinlicher: nicht begreifen zu wollen.
Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Hinter der bunten Verpackung steckt am Ende nichts weiter als kalt kalkulierte Profitgier. Ritter Sport zeigt sich nicht als Vorbild in ethischer Unternehmensführung, sondern vielmehr als Paradebeispiel für eine scheinheilige Firmenpolitik, die im entscheidenden Moment auf Gewinn statt Gewissen setzt.
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