Fernsehduell: Scholz und Merz

Wenn ältere Herren sich treffen, um junge Politik zu machen.

Es war das erste große TV-Duell des Bundestagswahlkampfs 2025 – Olaf Scholz gegen Friedrich Merz. Und, um ehrlich zu sein, das meiste lief so, wie man es erwartet hätte: Merz blieb auf der sicheren Seite, Scholz versuchte die große Wende. Doch die Frage bleibt: Kann ein Kanzler, der drei Jahre lang vor allem durch langsame Gemächlichkeit und Fernbleiben von der Öffentlichkeit auffiel, plötzlich den Kämpfer geben?

Scholz, der „Neue“ – glaubt ihm das jemand?

Da stand er also, Olaf Scholz, der noch amtierende Kanzler, der zuletzt oft wie ein Beobachter seines eigenen politischen Niedergangs wirkte. Diesmal aber war er anders – zumindest ein bisschen. Er zeigte sogar eine Art von Emotionen. Und ja, er griff an. Er stellte Friedrich Merz in die Ecke, wo dieser sich erklären musste: zu seiner angeblichen (bzw. von SPD und den Grünen behaupteten) Nähe zur AfD und zur Finanzierbarkeit seines Wahlprogramms.

Doch hier liegt das Problem: Wer Olaf Scholz in den letzten drei Jahren gesehen hat, dem fällt es schwer, diese plötzliche Wandlung zum Angreifer abzunehmen. Es wirkte ein wenig wie ein Schauspiel – bemüht, aber nicht glaubwürdig. Glaubwürdigkeit, das ist wohl das Stichwort, das Scholz in diesem Duell am meisten fehlte.

Merz, der Defensive – keine Fehler, aber auch keine Highlights

Und Merz? Der wusste, dass er sich keine Fehler erlauben durfte. Er blieb betont ruhig, ließ Angriffe an sich abprallen, erklärte in nüchternem Ton, warum er mit der AfD nichts zu tun haben wolle. Sein wichtigstes Ziel war es, die Mitte zu beruhigen, die sich durch seinen jüngsten Kurswechsel bei der Migrationspolitik verunsichert fühlte.

Doch auch Merz gelang es nicht, eindeutig zu überzeugen. Seine Argumente wirkten teils vage, seine Antworten auf konkrete Fragen – wie die zur Finanzierung seines Wahlprogramms – blieben unkonkret. Aber in einer Wahl, in der Scholz‘ SPD weit abgeschlagen ist, könnte für Merz genau das reichen: keine groben Fehler.

Die Themen: Was fehlte

Die Debatte drehte sich vor allem um Migration und Wirtschaft – wichtige Themen, keine Frage. Doch die wirklich drängenden Herausforderungen unserer Zeit? Klima, Bildung, Wohnungsmangel? Fast komplett ignoriert. Stattdessen hetzten die beiden Kandidaten durch technokratische Details, die nur die hartgesottensten Politikfans begeistern dürften.

Dynamik bleibt aus

Am Ende bleibt das Gefühl, dass niemand wirklich gewonnen hat. Scholz zeigte zwar eine ungewohnte Angriffslust, aber die SPD liegt 14 Prozentpunkte hinter der Union – das war zu wenig, um die Wahl zu drehen. Merz hingegen hatte einen soliden, aber auch dezenten Auftritt. Keiner der beiden konnte die Zuschauer wirklich begeistern oder eine neue Dynamik in den Wahlkampf bringen.

Die eigentlichen Gewinner? Vielleicht die AfD, die in den Umfragen immer noch auf Platz zwei steht und während der Debatte fast vergessen wurde. Und das sagt am meisten über diesen Wahlkampf aus: Es passiert einiges, aber nichts ist so richtig mitreißend.

Quelle ZEIT ONLINE


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