
Eine Gruppe prominenter Persönlichkeiten aus Kirche und Gesellschaft, darunter Margot Käßmann (ehemalige EKD-Ratsvorsitzende) und Jochen Cornelius-Bundschuh (ehemaliger Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden), fordert in einem offenen Brief die Bundesregierung auf, sich gegen die Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland auszusprechen. Unterstützt von der kirchlichen Initiative „Ohne Rüstung Leben“, appellieren sie für Abrüstung und eine neue europäische Friedensordnung. Doch diese Forderung zeugt von einer gefährlichen Verkennung der aktuellen sicherheitspolitischen Realität. Eine Kirche, die sich in solchen Illusionen verliert, gefährdet nicht nur die Sicherheit Europas, sondern auch ihre eigene Glaubwürdigkeit und Zukunft.
1. Sicherheit ist die Voraussetzung für Frieden
Die Forderung nach einem „Europa ohne Mittelstreckenwaffen“ klingt nobel, ignoriert aber die geopolitische Realität. Russland hat bereits Mittelstreckenraketen stationiert, insbesondere die Iskander-Raketen in Kaliningrad, die europäische Hauptstädte in wenigen Minuten erreichen können. Einseitige Abrüstung bedeutet nicht Sicherheit, sondern Schwäche gegenüber autoritären Regimen.
Die Geschichte lehrt uns: Frieden entsteht nicht durch Wehrlosigkeit, sondern durch Abschreckung. Die Bibel bestätigt diesen Gedanken: „Die Obrigkeit trägt das Schwert nicht umsonst“ (Röm 13,4). Ein funktionierendes Abschreckungssystem ist notwendig, um kriegerische Aggressionen zu verhindern.
2. Ohne Abschreckung gibt es keine Verhandlungsmacht
Die Unterzeichner fordern „neue Verhandlungen über Rüstungskontrolle“, doch Verhandlungen setzen eine Position der Stärke voraus. Ohne militärische Handlungsfähigkeit bleibt der Westen erpressbar.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Abrüstungsverträge wurden nicht durch einseitigen Pazifismus erreicht, sondern durch eine kluge Mischung aus Stärke und Diplomatie. Erst als die NATO 1983 eigene Mittelstreckenraketen stationierte, war die Sowjetunion bereit, den INF-Vertrag zu unterzeichnen. Wer Abrüstung will, muss zuerst für Sicherheit sorgen.
3. Theologische Verantwortung: Die Kirche muss die Wahrheit anerkennen
Die christliche Friedensethik basiert auf Wahrhaftigkeit – doch Frieden ohne Sicherheit ist eine Illusion. Eine Kirche, die sich für eine naive Abrüstungsideologie einsetzt, versagt in ihrer Verantwortung. Sie muss nicht pazifistische Wunschvorstellungen bedienen, sondern sich für den Schutz der Menschen einsetzen.
Jesus selbst sagte: „Niemand setzt sich hin und baut einen Turm, wenn er nicht vorher die Kosten überschlägt“ (Lk 14,28). Frieden erfordert realistische Entscheidungen, nicht nur moralische Appelle. Eine Kirche, die für Sicherheit und Abschreckung eintritt, handelt nicht gegen das Evangelium, sondern verantwortungsvoll gegenüber den Menschen.
Eine Kirche, die die Realität ignoriert, wird irrelevant
Die Initiative „Ohne Rüstung Leben“ mag gut gemeint sein, doch sie blendet die Realität aus. Ein wehrloses Europa ist eine Einladung für Aggression. Eine Kirche, die solche Illusionen unterstützt, gefährdet nicht nur den Frieden, sondern verliert auch ihre Relevanz. Statt blinder Abrüstungsromantik braucht es eine Friedensethik, die Sicherheit und Verantwortung ernst nimmt.



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