
Zeit – das Unbesitzbare Kapital
Zeit und Geld werden oft in einem Atemzug genannt: „Zeit ist Geld“. Doch während Geld gierig angehäuft, sorgsam verwaltet und scheinbar endlos vermehrt werden kann, ist Zeit nicht verfügbar wie eine Münzsammlung. Wir können sie weder aufbewahren noch zurückholen, geschweige denn vermehren. Jede Sekunde rinnt uns unaufhaltsam durch die Finger, ob wir sie mit Sinn füllen oder in Belanglosigkeiten verstreichen lassen.
Die größte Illusion ist, wir könnten Zeit sparen. Wer jedoch genauer hinsieht, erkennt, dass wir allenfalls Zeit freiräumen können – sparen bedeutet, etwas später noch verfügbar zu haben. Mit Zeit geht das nicht. Sobald ein Moment vergangen ist, verblasst er zur Erinnerung. Zeit ist ein Gut, das uns fortwährend entzogen wird. Aber gerade diese Endlichkeit macht sie so wertvoll und kostbar.
Vielleicht besteht der wahrhaftige Reichtum nicht im Ansammeln von Kapital, sondern in der Fähigkeit, die uns gegebene Zeit sinnvoll zu gestalten: sich zu bilden, zu lieben, zu wachsen und dem Dasein einen eigenen Sinn zu geben. Wer sich dessen bewusst wird, erkennt: Es liegt im Miteinander, im Erleben, im eigenverantwortlichen Handeln. Denn was man nicht besitzen kann, muss man teilen – oder es verliert sich im Nichts.



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