Olaf Scholz: Die SPD setzt auf das Prinzip Hoffnung

Symbolbild: älterer Herr in einem Sessel

Man könnte meinen, die SPD wolle sich selbst übertreffen – und zwar nicht in Sachen Wahlkampfstrategie, sondern im Ausmaß ihres politischen Drahtseilakts. Die einstimmige Nominierung von Olaf Scholz zum wiederholten Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2025 ist dabei weniger ein Triumph als eine Mischung aus Verzweiflung und stoischer Resignation. Denn wer braucht schon frischen Wind, wenn man auch die politischen Überreste der letzten Jahre recyceln kann?

Scholz selbst gibt sich kämpferisch, schwört seine Partei auf Sieg ein und betont die „sehr, sehr lange Freundschaft“ mit Verteidigungsminister Boris Pistorius. Eine Freundschaft, die offenbar so innig ist, dass Pistorius lieber als Scholz’ Cheerleader auftritt, statt selbst ins Rampenlicht zu treten. Aber gut, wer will schon in einer Partei Kanzlerkandidat werden, die derzeit so beliebt ist wie Zahnschmerzen am Montagmorgen?

Die SPD spricht von „Geschlossenheit“ und „Einigkeit“. Das ist ungefähr so überzeugend wie ein Familienfoto, auf dem alle nur für die Kamera lächeln, während der Hund im Hintergrund die Couch zerlegt. Die Debatte um die Kandidatur war zäh und kontrovers, doch am Ende hat sich die Partei wie immer auf ihre bewährte Strategie zurückgezogen: Augen zu und durch. Ob das reicht, um Wähler zu begeistern? Spoiler: nein.

Die schlechte Laune der Umfragewerte ignoriert Scholz stoisch. „Wir wollen wieder stärkste Partei werden“, verkündet er, während die Realität laut kichernd um die Ecke lugt. Man muss Scholz lassen, dass er eine bewundernswerte Fähigkeit hat, Fakten auszublenden – eine Qualität, die in der Politik gelegentlich als „Führungskompetenz“ verkauft wird. Seine angekündigten Themen – Rente, Energiepreise, Ukraine-Hilfe – sind so originell wie ein beige gestrichener Flur. Doch wer braucht schon Inspiration, wenn man mit Standardformulierungen eine ganze Wahlkampagne füllen kann?

Die SPD-Spitze versucht verzweifelt, den Gegner zu diskreditieren, während sie Scholz als sicheren Hafen verkauft. Friedrich Merz sei ein „großes Experiment“, heißt es. Olaf Scholz hingegen ist kein Experiment – er ist eher wie ein steinaltes Rezept: Man kennt es, es funktioniert halbwegs, aber niemand würde es Gästen servieren, die man beeindrucken will. Die Frage bleibt, ob man mit dieser Strategie noch jemanden erreicht, der nicht ohnehin schon im SPD-Parteibuch blättert.

Zum ersten Mal treten vier Kanzlerkandidaten an. Scholz, Merz, Habeck und vermutlich Weidel liefern sich ein Rennen, das eher an eine politische Seifenoper erinnert. Das Publikum könnte am Ende weniger interessiert an den Programmen sein als daran, welcher Kandidat sich zuerst selbst ins Aus manövriert. Die SPD setzt darauf, dass Scholz’ „Besonnenheit“ als Argument zieht. Aber Besonnenheit allein gewinnt keine Wahlen – zumindest nicht, wenn sie so wirkt wie der Ausdruck eines Bürokraten, der seinen fünften Kaffee des Tages braucht.

Am Ende bleibt ein Bild von politischer Stagnation und einem Wahlkampf, der eher nach Pflichtübung als nach Vision klingt. Die SPD hat sich entschieden, Scholz erneut ins Rennen zu schicken, und hofft auf ein Wunder. Doch Wunder sind selten, und politische Karrieren, die sich auf der Stelle drehen, noch seltener von Erfolg gekrönt. Bleibt nur zu hoffen, dass wenigstens der Humor bei dieser Wahlkampfgroteske nicht auf der Strecke bleibt.


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