
Manchmal sind Politiker wie Möbelstücke: Sie stehen einfach da, still und unauffällig, und irgendwann fragt man sich, wie lange sie eigentlich schon im Raum sind. Olaf Scholz ist so ein Möbelstück. Ein gut gepflegtes Sideboard, vielleicht, das keiner Party den Schwung nimmt, aber immer einen soliden Platz für Getränke bietet. Nun will er Kanzler werden. Warum eigentlich? Und was hat er dafür vorzuweisen? Setzen Sie sich bequem hin, es wird nicht lange dauern.
Ein Leben im Schatten der Macht
Wenn man an Olaf Scholz denkt – was, zugegeben, selten vorkommt – hat man keinen Politiker vor Augen, sondern eine Art menschlichen Verwalter. Scholz war Bürgermeister von Hamburg, wo er alles tat, was ein Bürgermeister tun sollte, ohne dass man sich später groß an ihn erinnert. Als Finanzminister in Berlin hat er seine Aufgabe mit der Leidenschaft eines Buchhalters erfüllt: keine Fehler machen, oder falls doch, dann sich zumindest nicht daran erinnern und keine Spuren hinterlassen. Kein Wunder, dass sich niemand an eine große Rede von ihm erinnert. Hat er je eine gehalten? Möglich. Aber nichts, was man in Stein meißeln würde, geschweige denn auf ein T-Shirt druckt.
Das Talent des Schweigens
Olaf Scholz hat eine besondere Gabe: Er sagt nichts, was ihn später in Schwierigkeiten bringen könnte. Und wenn er mal was sagt, klingt es wie der Text auf einer Packungsbeilage. Beispielsweise sein berühmtes Versprechen als Finanzminister während der Pandemie: „Wir haben genug Wumms.“ Klingt mutig, oder? Aber fragen Sie mal in der Fußgängerzone nach, was das eigentlich bedeutet. Die Antworten werden so vage sein wie Scholz‘ Kommunikationsstrategie.
Selbstbewusstsein statt Selbstzweifel
Was Scholz fehlt, ist Charisma. Was er dafür im Überfluss hat, ist Selbstbewusstsein. Ein Mann, der es schafft, sich selbst als „Kanzlerkandidat“ zu verkaufen, ohne die Nation vorher mitzureißen, muss entweder genial oder gnadenlos pragmatisch sein. Scholz ist letzteres. Während andere Kandidaten ihre Botschaften wie Leuchttürme in den Sturm schreien, murmelt Scholz leise: „Vertraut mir, ich mache das schon.“ Das ist beruhigend – oder langweilig. Je nach Geschmack.
Der Kanzler, den niemand bemerkte
Man muss Olaf Scholz eines lassen: Er ist ein Meister der Kunst, unbemerkt Großes zu vollbringen. Oder zumindest mittelgroßes. Die Hamburger Elbphilharmonie? Während seiner Zeit als Bürgermeister fertiggestellt, wenn auch deutlich teurer als geplant. Die Corona-Hilfen? Von ihm maßgeblich organisiert. Der Cum-Ex-Skandal? Ach, lassen wir das lieber.
Scholz’ Kanzlerambitionen scheinen jedenfalls nicht aus einem tiefen Wunsch zu entspringen, das Land zu verändern, sondern aus der schlichten Erkenntnis: „Irgendjemand muss es ja machen.“ Und wer könnte besser geeignet sein, eine unsichere Nation durch turbulente Zeiten zu führen, als ein Mann, der so sehr mit sich selbst im Reinen ist, dass er nicht einmal merkt, wie oft er an den Menschen vorbeiredet?
Vielleicht ist Scholz genau der Kanzler, den Deutschland verdient: solide, zuverlässig, ein wenig langweilig – wie das Sideboard im Wohnzimmer. Ob er es tatsächlich wird? Interessant für potentielle Wählerinnen und Wähler wäre auch zu wissen, in welchem Bereich Herr Scholz die letzten drei Jahre tätig war. Irgendeinen Beruf wird er ja ausgeübt haben.



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