Olaf mit Scholz und Eile mit Weile

Symbolbild: Herr Scholz und eine Uhr

Scholz und die olympische Disziplin des Wartens

Es gibt Dinge, die der Menschheit Freude bringen. Ein Regenbogen nach dem Gewitter, eine Tasse Kaffee an einem Montagmorgen – und dann gibt es Olaf Scholz und die träge Mechanik seiner Entscheidungen. Das dauert, das schwankt, das stockt. Für uns alle, die wir nun seit Jahren mit Scholzens schleppender Taktik leben, ist die anfängliche Geduld längst einer resignierten Akzeptanz gewichen. Wir wissen: Wo Scholz draufsteht, ist Warten drin.

Die neueste Episode? Die Vertrauensfrage. Während die Koalition bereits in ihre Einzelteile zerfällt und die Nation die Antwort erwartet, behält Scholz die Ruhe weg und terminierte den großen Showdown doch tatsächlich auf Januar. Sicher, wozu die Eile? Es wäre ja undenkbar, dass man das Vertrauen zum jetzigen Zeitpunkt prüft, nein, da muss erst noch die Weihnachtsdekoration im Kanzleramt abgehängt werden. Scholz ist schließlich niemand, der sich in diesen unangenehmen Strudel des Handelns werfen würde, wenn noch ein bisschen Wartezeit möglich ist.

Es ist ja nicht das erste Mal, dass der Kanzler uns mit dieser unerträglichen Verzögerungstaktik traktiert. Ein Blick in die Geschichtsbücher des Scholzismus zeigt uns die Highlights des ewigen Zögerns. Die Ukraine? „Ja, da haben wir doch Helme geschickt!“ Jawohl, 5000 Helme – ein starker Schritt nach vorne, wenn man bedenkt, dass die Welt damals längst Panzer schickte. Aber das wäre für Scholz viel zu direkt gewesen. Panzer? Die sind heikel. Da müssen erst diverse interne Dialoge geführt und Entscheidungskomitees konsultiert werden, und irgendwann, vielleicht, kommt ein Panzer dann doch noch auf die Reise – zu einem Zeitpunkt, zu dem das politische Momentum längst vorbei ist.

Die Taktik des endlosen Zauderns hat System. Scholz pflegt die seltene Gabe, Entscheidungen so weit hinauszuzögern, dass selbst das Unvermeidliche eine kunstvolle Patina des „mal sehen, irgendwann vielleicht“ bekommt. Entscheidungen wie aus einem Paralleluniversum: Wo andere auf die Uhr schauen, wirft Scholz einen trägen Blick auf den Kalender. Da kann man schon mal die Geduld verlieren – aber in Scholz’ Welt gibt es nichts Dringliches. Alles wird sorgfältig gewogen, abgewartet, verschleppt und erst nach dem letzten Klimpern der Geduldsschale angegangen.

Ach, wir könnten viel produktiver sein, hätten wir nicht den Marathon des Geduldsübens gemeistert, den Scholz uns seit Jahren auferlegt. Doch seien wir ehrlich: Ein schneller Olaf Scholz würde uns ja schon überraschen. Wir haben uns längst daran gewöhnt, dass Entscheidungen aus dem Kanzleramt zu uns kommen wie der Sand durch eine zerbrechliche Sanduhr. Die Sandkörner der Hoffnung rieseln langsam, und wer weiß – vielleicht, irgendwann im nächsten Jahr, haben wir die Antwort. Aber bis dahin bleibt uns die Scholzsche Lehre: Dass wahre Meisterschaft nicht im Handeln, sondern im grandiosen Nicht-Handeln liegt.


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