
Als wir gestern Abend hier bei New York zu unserem Hotel fuhren, hatten wir von dem russischen Angriff auf Lemberg in der Ukraine, das nur etwa 50 km Luftlinie von der NATO Außengrenze entfernt ist, gelesen.
Heute morgen gratulierten mir meine Schwiegereltern zum Geburtstag, mussten aber sichtlich um Fassung ringen.
Das erste Mal in ihrem Leben seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine haben sie die Nacht im Flur verbracht, weil dort die Wände am dicksten sind. Nachts waren russische Geschosse laut hörbar über ihr Haus gedonnert.
Seit heute morgen weiß meine Frau auch, was sie gestern irgendwie noch nicht zuordnen konnte. Unter anderem eine junge Familie in Lemberg wurde ausgelöscht und meine Frau dachte, sie kenne die doch irgendwo her. Von der getöteten Familie ist nur der Vater am Leben geblieben, der beste Freund von Roman. Roman wiederum ist ein Freund von uns.
Der russische Angriffskrieg wird nicht enden, indem das russische Terrorregime irgendwie von selbst zur Vernunft kommt. Das hatte auch bei Hitler nicht funktioniert. Zu sehr ideologisch aufgeladen sind die Teilnehmer solcher Systeme, zu sehr sind sie darauf aus, ihre Macht zu behalten, was bedeutet, dass der Krieg weitergehen muss, dass die imperialistischen Bestrebungen weitergehen müssen, sodass die eigenen Verbrechen nicht geahndet werden können.
Der russische Angriffskrieg könnte unter Umständen vielleicht durch einen internen Putsch auf höchster Ebene beendet werden. Aber das erscheint unwahrscheinlich, weil das Putin-Regime intern derart brutal gegen jeden vermuteten Widerstand vorgeht.
Von daher endet der russische Angriffskrieg nur, wenn er militärisch beendet wird. Entweder dadurch, dass Russland besiegt wird, was schwierig sein dürfte, oder dadurch, dass der Westen die Ukraine endlich in die Lage versetzt, Russland militärisch weitaus stärker kontern zu können, so dass das russische Militär aufgerieben wird und die interne Machtsituation des Putin-Regimes ins Wanken gerät.
Bis dahin müssen wir uns jeden Tag aufs Neue daran gewöhnen, dass das russische Terrorregime unschuldige ukrainische Menschen tötet. Und zwar nur deswegen, weil dieses Terrorregime sich das ukrainische Land und die ukrainischen Rohstoffe haben einverleiben möchte.
Wenn Russland hier nicht gestoppt wird, wird das russische Terrorregime das Prinzip des Angriffskrieges als erfolgreich einstufen und damit weitermachen. Heute in der Ukraine, morgen in Ländern der NATO.
Die NATO Länder trauen sich bisher nicht, der Ukraine die Möglichkeit zu geben, mit den von ihnen gelieferten Waffen sich auch in Russland zu verteidigen.
Stellen wir uns das mal bei Deutschland vor: Angenommen, Deutschland würde von Russland angegriffen und die Nato-Länder würden Deutschland zwar Waffen liefern, aber dieselben Vorgaben machen wie in der Ukraine:
„Weil wir Angst haben vor Russland, dürft ihr unsere Waffen nur innerhalb des deutschen Gebietes verwenden und nur zur Verteidigung.“
Deutschland wäre sowas von lost.
Aber das ist die Blaupause, die die NATO gerade beim russischen Angriffskrieg liefert: Dass die Nato-Länder alle Angst haben und den Aggressor nicht provozieren wollen. Obwohl es ja der Aggressor ist, der provoziert.
Aber das ignoriert man geflissentlich, solange man selbst hoffentlich nicht betroffen ist.
Bis man dann betroffen ist.



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