
Julian Assange, der Gründer von WikiLeaks, ist eine der umstrittensten Figuren unserer Zeit. Während seine Anhänger ihn als Verfechter der Transparenz und als Kämpfer gegen Regierungsverbrechen feiern, betrachten seine Kritiker ihn als unverantwortlichen Provokateur, der die nationale Sicherheit gefährdet hat.
Die Veröffentlichung geheimer Dokumente durch WikiLeaks hat zweifellos bedeutende Auswirkungen gehabt. Viele der enthüllten Informationen brachten Missstände ans Licht, die sonst im Verborgenen geblieben wären. Beispielsweise deckte Assange Kriegsverbrechen im Irak und in Afghanistan auf, was zu einer globalen Debatte über militärische Ethik und Regierungsverantwortung führte.
Doch es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. Nicht alle Informationen, die durch WikiLeaks veröffentlicht wurden, waren von solcher Bedeutung für die öffentliche Aufklärung. Einige Veröffentlichungen, wie die der privaten E-Mails von Hillary Clinton, trugen zur Polarisierung der politischen Landschaft in den USA bei und beeinflussten möglicherweise den Ausgang der Präsidentschaftswahl 2016 zugunsten von Donald Trump.
Donald Trump ist derjenige Präsident, der zum Sturm auf das Kapitol angestachelt hatte, also zu einem Staatsstreich, welcher dazu hätte führen können, dass die USA zu einer Diktatur werden. Mit verheerenden Folgen.
Solche Enthüllungen werfen die Frage auf, ob jede Information um jeden Preis veröffentlicht werden sollte.
Ein noch gravierenderes Problem ist die Gefahr, die von der unkontrollierten Veröffentlichung hochsensibler Informationen ausgeht. Dokumente, die die nationale Sicherheit betreffen, dürfen nicht leichtfertig ins Internet gestellt werden. Man stelle sich vor, die Abschusscodes von Atomraketen oder die genauen militärischen Strategien der NATO würden veröffentlicht. Ein solcher Leak könnte katastrophale Folgen haben, einschließlich der Gefahr eines militärischen Angriffs durch Russland auf ein Land der NATO.
Die Verhaftung und Verfolgung von Assange durch die USA hat ebenfalls weitreichende Bedeutung für die Pressefreiheit. Die Anklage gegen ihn basiert auf dem Espionage Act, einem Gesetz aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, das das Spionieren für fremde Mächte unter Strafe stellt. Diese Anklage schafft einen Präzedenzfall, der die Arbeit von Journalisten weltweit erschweren könnte. In einem Gespräch mit Stella Assange, der Ehefrau des WikiLeaks-Gründers, bezeichnete sie die Verfolgung ihres Mannes als einen „Präzedenzfall“ mit potenziell abschreckenden Effekten für Journalisten überall auf der Welt.
Joe Biden, der derzeitige US-Präsident, hat durch die Einigung mit Assange einen komplizierten politischen Knoten gelöst, aber Kritiker meinen, dass durch die Causa Assange die Pressefreiheit gelitten habe. Der Deal mag für Assange und die amerikanische Regierung von Vorteil sein, doch die langfristigen Kosten für die Pressefreiheit sind ebenfalls vorhanden.
Dennoch: In unserer maximal vernetzten Welt, in der Informationen sowohl eine Waffe als auch ein Schutzschild sein können, ist es entscheidend, ein Gleichgewicht zwischen Transparenz und Sicherheit zu finden. Die Causa Julian Assange zeigt deutlich, wie schwer es ist, dieses Gleichgewicht zu wahren und welche Risiken sowohl die Enthüllung als auch die Geheimhaltung von Informationen mit sich bringen können. Einfach nur auf die Bedeutung der Pressefreiheit, die zweifelsfrei ein sehr hohes und schützenswertes Gut ist, hinzuweisen, wird der Sache nicht gerecht.
Es gibt nämlich gewisse Informationen, die man nicht einfach ungefiltert ins Netz stellen kann und darf, weil daraus ganz konkrete, teils massivste Gefährdungen für einzelne Menschen oder sogar ganze Nationen entstehen können. Sich einfach nur darauf zu berufen, man habe ja nur die Wahrheit ans Licht bringen wollen, greift zu kurz und bedeutet, dass man sich der Verantwortung entziehen will. Denn Worte können zu Taten führen.
Und haben die Betreiber von Wikileaks eigentlich belastendes oder diffamierendes Material über sich selbst auf WikiLeaks veröffentlicht, welches es ja prinzipiell vermutlich über jeden Menschen in irgendeiner Form gibt?
Nein. Natürlich nicht. Denn das würde ja ihr Image beschädigen und ihre Glaubwürdigkeit herabsetzen.
Und spätestens hier merkt man, dass WikiLeaks durchaus mit unterschiedlichem Maß mißt.
Quelle und Hintergrund-Informationen: ZEIT ONLINE



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