Als ich Herrn Dracula bei McDonald’s traf

In dem gedämpften Licht eines McDonald’s, unter dem rhythmischen Pulsieren der Neonröhren, suchte ich Entspannung von der Erschöpfung des Tages. Der Duft von Pommes und das sanfte Geplapper boten einen seltsamen Trost, bis mein Blick auf eine ungewöhnliche Gestalt im Raum fiel.

Der Mann stach stark vom lebensfrohen Kaleidoskop um ihn herum ab. Seine Haut war blass, fast durchscheinend, und stach grell gegen das leuchtende Rot und Gelb der Fast-Food-Oase ab. Seine Kleidung war ein Relikt aus einer längst vergangenen Ära; ein hochgeschlossener Mantel hüllte seine Gestalt ein und warf einen Schatten, der das Licht um ihn herum zu verschlingen schien. Vor ihm stand ein silberner Kelch, deplatziert zwischen den Papierbechern, und in seinen Händen hielt er einen Burger – eine skurrile Wahl für eine derart adlige Erscheinung.

Ich konnte nicht anders, als zu starren, während er sorgfältig einen Bissen nahm, eine Eleganz in seinen Bewegungen, die für eine derart alltägliche Tätigkeit zu kultiviert schien. Seine Augen, von der Farbe eines zeitlosen Ozeans, trafen plötzlich die meinen. Ein Schauer kroch meinen Rücken hinauf, und ein stilles Verständnis wurde zwischen uns ausgetauscht. Ich war nur ein Beobachter, und er, das Rätsel, erlaubte mir einen Einblick in seine Welt.

Die Luft wurde schwer mit einer unausgesprochenen Geschichte, und die Geräusche des Restaurants verblassten zu einem fernen Gemurmel. Er hob seinen Kelch in einem stillen Toast auf die Nacht, auf die verborgenen Geschichten von Dämmerungswesen, die sich unter die Menschen mischten.

Ich verließ das Restaurant mit einer Geschichte, die sich in mein Gedächtnis eingebrannt hatte, einer Erzählung von der Nacht, als Graf Dracula, der Unsterbliche, beschloss, das einfache Vergnügen eines Burgers und die Gesellschaft von Sterblichen zu erleben. Seine Anwesenheit war eine Erinnerung daran, dass manchmal das Gewöhnliche das Außergewöhnliche beherbergen kann und dass der Schleier zwischen dem Vertrauten und dem Fantastischen so dünn sein kann wie der Nebel, der sich abends an die Tiroler Alpen schmiegt.


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