
Es gibt Momente, die einem das Wasser im Munde, pardon, in der Waschmaschine zusammenlaufen lassen. Und wenn es um Waschmittel geht, dann sind diese Momente zahlreich. Oder sollten wir eher sagen, sie sind kontinuierlich? Wie oft sind wir schließlich Zeugen einer wundersamen Metamorphose, einer chemischen Auferstehung, wenn die neueste Innovation auf dem Markt der Seifenoper erscheint? Wenn „Verbesserte Formel!“ in Neonschrift auf den Packungen prangt, während uns die Werbung suggeriert, dass unsere Wäsche nur noch ein Schatten ihrer selbst ist, wenn sie nicht mit diesem gerade erschienenen Elixier gereinigt wird?
Aber lasst uns gemeinsam auf eine dieser fantastischen Reisen in die Welt der Werbung gehen. Das Produkt des Tages? Nennen wir es einfach „WunderWusch“.
Der TV Spot beginnt mit einer Mutter, so glücklich und zufrieden, dass sie im Kreise hüpft, als ob sie soeben die Hauptrolle in einem Musical gewonnen hätte und nicht die neueste Packung WunderWusch. Sie schwingt ihren farbenfrohen Waschkorb wie eine Trophäe in die Höhe und verkündet: „Mit der neuen Formel von WunderWusch ist meine Wäsche so sauber wie noch nie!“
Das geflügelte Wort „neue Formel“ wird so selbstverständlich und begeistert ausgesprochen, als hätte man soeben das Heilmittel für alle Krankheiten entdeckt. Man kann sich nur fragen: Wie haben wir bloß bis jetzt überlebt, ohne die „neue Formel“? Und war das, was wir bisher genutzt haben, so schlecht, dass wir es nur noch mit Grausen in Erinnerung behalten sollten?
WunderWusch geht noch einen Schritt weiter. Seine „neue Formel“ ist so innovativ, dass sie, laut den bunten Buchstaben auf der Verpackung, sogar die verlorengegangene Jugend Ihrer Kleidung wiederherstellen kann. Denken Sie daran: Vor WunderWusch waren Ihre Hemden grau und leblos, Ihre Hosen hatten den Willen zum Leben verloren und Ihre Unterwäsche? Nun, lassen Sie uns das besser nicht thematisieren.
Die „neue Formel“ von WunderWusch ist so neu, dass sie anscheinend sogar das Raum-Zeit-Kontinuum überwinden kann. Ihre Wäsche ist nun nicht nur sauberer als sauber, sie ist praktisch neu, gerade aus der Fabrik gekommen. Sie haben Ihre Jeans gestern gekauft? Unfug, mit WunderWusch haben Sie sie soeben erst gekauft. Nein, sie wurde gerade erst genäht. Nein, der Baumwollstrauch, aus dem sie gemacht wurde, wurde gerade erst gepflanzt.
Also, liebe Leserinnen und Leser, machen Sie es wie die strahlende Mutter aus der WunderWusch-Werbung: Werfen Sie Ihr altes, unzureichendes Waschmittel weg und begrüßen Sie das Waschmittel der Zukunft. Und wenn Sie dabei Bedenken haben, denken Sie daran: In sechs Monaten wird es eine noch „neuere Formel“ geben. Dann können Sie das Waschmittel der Zukunft zum alten Eisen werfen und sich wieder auf eine Reise in die strahlende, saubere Zukunft der Wäschewaschkunst begeben.



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