Social Media: Der Tanz der Gierigen

Der Große Bruder Facebook hat es wieder getan. Als ob es nicht genug wäre, uns 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche mit Katzenvideos, vermeintlichen Wahrheiten und der zehnten Babyshower der Cousine 3. Grades zu versorgen, hat das omnipräsente soziale Netzwerk nun beschlossen, uns in einer weiteren Arena zu belästigen: dem Kurznachrichtendienst.

Sicher, Twitter hat sich dazu entschieden, TweetDeck kostenpflichtig zu machen. Aber wer könnte es ihnen verübeln? Schließlich braucht der arme, kleine, multinationale Konzern, der gerade mal mit einer Marktkapitalisierung von mehreren Milliarden Dollar zurechtkommt, sicherlich ein paar zusätzliche Pennys, um die Lichter am Laufen zu halten.

Und wo springt Facebook ein? Genau, sie stürzen sich auf die Chance, uns ihren eigenen Service anzubieten, der nicht nur „ähnlich“ wie Twitter ist, sondern offensichtlich so viel besser, dass sie ihn sogar „Threads“ nennen. Der Name selbst schon verspricht eine Wirrung aus zusammenhanglosen Gedanken und Meinungen – eine Art sozialer Medien-Suppe, die wir schlürfen sollen, während wir uns fragen, warum wir jemals dachten, dass 280 Zeichen zu viel des Guten wären.

Aber natürlich ist Threads kostenlos! Es ist immer kostenlos, bis es das nicht mehr ist, nicht wahr? Eines Tages wirst du dich einloggen, um herauszufinden, dass Facebook Threads plötzlich 5 Euro im Monat kostet, oder schlimmer noch, dass sie die Plattform mit Werbung überflutet haben, die auf deinem gesamten Suchverlauf basiert. Und das ist noch der weniger gruselige Teil. Was ist, wenn Facebook entscheidet, dass sie nicht nur unsere Daten wollen, sondern auch unsere Tweets, Gedanken und Seelen?

Es ist ein trauriger Tanz, den wir hier miterleben, und der Einzige, der auf der Strecke bleibt, ist der Nutzer. In der Hoffnung, der Übermacht von Facebook zu entkommen, sind viele von uns zu Twitter geflohen. Aber wie es scheint, ist Big Brother nicht nur omnipräsent, er ist auch hartnäckig. Er bietet uns Zuckerbrot und Peitsche an und lacht dabei.

So ist das also im 21. Jahrhundert: eine Flucht von einem sozialen Netzwerk zum anderen, in der Hoffnung, endlich das perfekte Gleichgewicht zwischen Privatsphäre und Gemeinschaft zu finden. Aber am Ende des Tages sind wir nur Hamster in einem endlosen Rad, rennen immer schneller, um von dem einen großen, datenhungrigen Netzwerk zum nächsten zu gelangen. Es ist eine mühsame Reise, und das Ziel? Nun, das bleibt uns wohl für immer ein Rätsel.


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