Lawrows Kremlmärchen: Die groteske Rückwärtslogik des Tatsachenverdrehers

Es ist immer wieder eine Freude, die Weltsicht von Sergej Lawrow, dem russischen Außenminister, zu hören. Man muss Lawrow eine gewisse Meisterschaft zugestehen: Er hat es geschafft, seine Verdrehung der Tatsachen zu einer Art politischer Performancekunst zu erheben.

So hat er nun dem Westen vorgeworfen, kein Interesse an einer Beendigung des Ukraine-Kriegs zu haben. Stellen Sie sich das einmal vor: Ausgerechnet Russland, das den Krieg mit seinem Angriff auf die Ukraine erst losgetreten hat, beklagt sich nun darüber, dass der Westen nicht hart genug für den Frieden kämpft. Was für ein Musterbeispiel an Ironie!

Und dann dieser Vorwurf, der Westen wolle den Konflikt „einfrieren“, um mehr Zeit für die Waffenlieferungen in die Ukraine zu gewinnen. Was für eine schizophrene Herangehensweise, richtig? Schließlich hat Russland ja nie, wirklich niemals, Waffen in Krisenregionen geliefert. Aber natürlich – es ist ja der Westen, der dieses seltsame „Konflikt einfrieren und Waffen liefern“ Spiel spielt.

Lawrow geht noch einen Schritt weiter und meint, der Westen wolle zuerst sehen, dass Russland auf dem Schlachtfeld verliert und seine Führungsriege vor Gericht gestellt wird. Und dann, ja dann erst, würde der Westen auf einen Frieden in der Ukraine dringen. Oh, die perverse Freude, die wir im Westen doch haben, wenn wir nur an die Verlängerung dieses Krieges denken!

Es ist erstaunlich, wie klar Lawrow den Finger auf die Wunde legt: Denn natürlich hat der Westen nichts Besseres zu tun, als einen Krieg anzustacheln und zu verlängern, der Tausende Menschenleben kostet und Europa destabilisiert. Das ist ja geradezu unser Hobby! Wer braucht schon Stabilität und Frieden, wenn man einen heißen, blutigen, völlig sinnlosen Krieg haben kann?

Wir sollten Sergej Lawrow dankbar sein. Dank seiner grotesken Tatsachenverdrehungen erhalten wir immer wieder einen erfrischenden Blick auf die Realität – oder zumindest auf die Realität, wie sie in seinem Kopf zu existieren scheint. Es ist wahrlich eine Fähigkeit, so konsequent an der Wahrheit vorbeizureden. Bravo, Herr Lawrow, bravo. Ihre Performancekunst der Absurdität ist wahrlich unübertroffen.


Grundlage für diese Glosse ist folgende Meldung über Lawrow:

Lawrow: Westen will Ukraine-Krieg „einfrieren“

Russland hat westlichen Staaten vorgeworfen, kein Interesse an einer Beendigung des Ukraine-Kriegs zu haben. Der Westen wolle den Konflikt „einfrieren“ und so mehr Zeit für die Waffenlieferungen in die Ukraine gewinnen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow. Dies sei eine schizophrene Herangehensweise. Zuerst wolle der Westen sehen, dass Russland auf dem Schlachtfeld verliere und seine Führungsriege vor Gericht gestellt werde. Erst dann werde der Westen auf einen Frieden in der Ukraine dringen.

Quelle ZEIT ONLINE

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Kommentare

9 Kommentare zu „Lawrows Kremlmärchen: Die groteske Rückwärtslogik des Tatsachenverdrehers“

  1. Ein Grundsatz des Römischen Rechts
    lautet: „Audiatur et altera pars.“
    „Man höre auch die andere Partei.“

    Mit hören ist zuhören gemeint.
    Zuhören setzt ehrliche Offenheit
    für die Sicht des Anderen voraus.

    Auch wenn wir ganz sicher sind, daß wir im Recht sind, ist es sinnvoll, wenigstens einen Haarspalt die Möglichkeit offen zu halten, daß es vielleicht doch nicht ganz abwegig ist, was der Andere sagt.

    Gruß,
    Nirmalo

  2. Russland hat ein freies und demokratisches Land überfallen. An dieser Tatsache gibt es nichts, was diskutiert werden kann.

  3. Ich wollte nicht diskutieren, sondern nur vorschlagen, eine bereits bewertete Situation noch einmal ganz neu und komplett unvoreingenommen aus einer etwas anderen Perspektive zu betrachten.

    Gute-Nacht-Gruß

  4. Sorry, nein.

  5. Es wird aber zu den intelligenten Möglichkeiten gezählt,
    die uns Menschen zur Verfügung stehen, die selben
    Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

  6. Ja, aber intelligent ist es nicht, die faschistische Brille aufzusetzen und den Aggressor verstehen zu wollen.

  7. Verstehen wollen ist immer
    ein Ausdruck von Intelligenz.

    Vorab eine Brille (der Voreingenommenheit)
    aufzusetzen ist üblich, aber nicht intelligent.

    Aber ja, wer wirklich verstehen will,
    wird ALLE Seiten verstehen wollen.

  8. ? freies und demokratisches Land ?
    … wann war denn das … 1941? oder 1984

  9. 24.8.1991

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