
In der drückenden Sommerhitze strampelte Markus durch den weitläufigen Park, sein altes Fahrrad quietschte bei jeder Drehung der Pedale. Die Sonne brannte auf seinen Rücken und kleine Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn, aber das alles war Teil des Charmes des Sommers, den er so sehr liebte.
Als er an einem belebten Spielplatz vorbeikam, verlangsamte er instinktiv seine Geschwindigkeit. Er beobachtete, wie eine Gruppe kleiner Kinder lachend und quietschend über den Spielplatz tollten. Sie kletterten auf das Gerüst, rutschten die Rutsche hinunter und schaukelten so hoch, dass es schien, als würden sie in den strahlend blauen Himmel fliegen.
Sein Blick blieb an einer Schaukel hängen, auf der ein kleiner Junge mit gelocktem Haar saß, der vom Aussehen her seinem Sohn ähnelte, als dieser noch jünger war. Markus‘ Herz zog sich zusammen, als er an seinen 12-jährigen Sohn Simon dachte. Es war noch gar nicht so lange her, dass sie zusammen auf Spielplätzen wie diesem gespielt hatten, die Zeit schien jedoch mit einer erbarmungslosen Geschwindigkeit voranzuschreiten.
Simon, nun in der Schwelle der Teenagerjahre, hatte kaum noch Interesse an diesen Spielplätzen. Ab und zu, wenn das Wetter schön war und Simon in einer nachsichtigen Stimmung, würden sie immer noch kommen, aber Simon würde nur schaukeln, die Beine träge schwingend, sein Blick mehr auf seinem Handy als auf der Welt um ihn herum.
Markus trat in die Pedale und setzte seine Fahrt fort, sein Blick jedoch blieb in der Erinnerung an die Tage, in denen Simon noch ein kleiner Junge war. Die Freude in seinen Augen, das ansteckende Lachen, das Lachen, das wie Glockengeläut die Luft erfüllte, wenn er auf dem Spielplatz tobte. Die Zeit schien so gnadenlos, so unerbittlich.
Markus fühlte eine melancholische Süße in seiner Brust, eine Mischung aus Nostalgie und Stolz. Sein kleiner Junge war nicht mehr so klein. Er war dabei, zu einem jungen Mann heranzuwachsen, voller Interessen, die über das hinausgingen, was ein einfacher Spielplatz bieten konnte. Doch diese Veränderung war auch beängstigend. Es war, als ob Markus gerade erst gelernt hatte, ein Vater für ein Kind zu sein, und nun musste er lernen, ein Vater für einen Teenager zu sein.
Er dachte an seine eigenen Lebensphasen, wie sie in einem Augenblick voller Leben und Vitalität schienen und dann im nächsten Augenblick in der Vergangenheit lagen, unveränderlich und fest in der Erinnerung verankert. Er dachte an seine Kindheit, seine Teenagerjahre, das Studium, die Arbeit, die Ehe, die Vaterschaft. Jede Phase schien seine Perspektive auf das Leben und auf sich selbst zu verändern.
Würden die kommenden Phasen ebenso schnell vergehen? Würde die Zeit weiterhin ihre erbarmungslose Flucht fortsetzen, den Moment in die Erinnerung drängend, kaum dass er gelebt wurde? Es schien fast ungerecht, dachte Markus, wie das Leben uns so viele Momente zum Erleben gibt, nur um sie so schnell wieder wegzunehmen.
Aber vielleicht, überlegte er, war das gerade die Schönheit des Lebens. Jeder Moment ist flüchtig und deshalb kostbar. Jede Phase ist einzigartig und unersetzlich, voller eigener Freuden und Herausforderungen. Es war nicht etwas, das man fürchten sollte, sondern etwas, das man mit offenen Armen empfangen sollte.
Mit einem Seufzer des Verstehens und der Akzeptanz trat Markus stärker in die Pedale und fuhr den Weg entlang, während er sich vornahm, jeden Moment mit Simon, in jeder Phase seines Lebens, zu schätzen. Nicht mit Traurigkeit über das, was vorbei war, sondern mit Freude und Neugier auf das, was noch kommen sollte.




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