Montags-Melancholie: Die überraschend schnelle Woche des Herrn Samsa

Montagmorgen. Herr Samsa erwachte aus unruhigen Träumen und fand sich, anders als in einer berühmten Erzählung, glücklicherweise immer noch als Mensch verwandelt. Noch im Schlafanzug starrte er auf den Kalender, auf den unausweichlichen Montag, der vor ihm lag. Er wusste, es würde eine Ewigkeit dauern, bis das Wochenende wieder grüßen würde.

Die Sorgen des Herrn Samsa glichen einem gut gepflegten Bonsaibaum. Jeden Montagmorgen schnitt er sorgfältig die Zweige seiner Ängste, formte seine Sorgen zu kleinen, knorrigen Monstern, die wie geduckte, grüne Gnome auf der Fensterbank seiner Gedanken standen. Sein Problem: Montage, die sich in die Länge zogen wie Kaugummi unter einem Schuh. Montage, die sich anfühlten wie ein Marathonlauf in Gummistiefeln.

Nun stand er also am Anfang der Arbeitswoche, das Koffein in seinem Blut noch nicht genügend, um die bleierne Müdigkeit zu verjagen. Aber wie es oft so ist mit dem Schicksal, die unerwarteten Begebenheiten stehen nicht im Kalender und die unerwarteten Menschen melden sich nicht im Voraus an.

Sein Kollege Hubert, sonst ein Wandteppich der Langeweile, offenbarte sich am Dienstag als Geheimagent des Kabaretts und brachte Herrn Samsa mit seinen Anekdoten aus der absurden Welt des Bürohumors zum Lachen. Die Kantinenleiterin, Fräulein Krause, die sonst nur fade Mahlzeiten servierte, überraschte ihn am Mittwoch mit einem exotischen Menü, das ihm die kulinarische Langeweile vom Gaumen wischte.

Donnerstag wurde Herrn Samsa eine Projektverantwortung zugeteilt, die so viele ungeahnte Herausforderungen mit sich brachte, dass er das Konzept der Langeweile völlig vergaß. Eine Aktenlawine, eine Kaffeekrise und ein plötzlich ausgefallenes Internet, all das sorgte für Action, die selbst einem Hollywoodfilm Ehre gemacht hätte.

Und dann, ganz unverhofft, war es plötzlich Freitag. Herr Samsa schaute auf die Uhr, rieb sich die Augen und fragte sich, ob er im Schlaf vielleicht doch zu einem Käfer geworden war und das Zeitgefühl verloren hatte. Aber nein, er war noch immer er selbst, nur die Woche war wie ein Wimpernschlag vergangen.

So geht es oft im Leben: Unsere Sorgen sind wie dunkle Wolken, die den Himmel bedecken, doch dann kommt der Wind des Unvorhergesehenen und pustet sie fort. Und während wir noch damit beschäftigt sind, nach dem nächsten Montag Ausschau zu halten, hat sich die Woche schon auf Zehenspitzen davongestohlen, und das Wochenende steht mit einem breiten Grinsen vor der Tür.

Und so saß Herr Samsa am Freitagabend auf seiner Couch, ein Glas Wein in der Hand, und sinnierte über die vergangene Woche. Er erinnerte sich an Huberts unerwartet spritzige Witze, an das überraschend würzige Kantinenessen von Fräulein Krause, an die Herausforderungen und Beinahe-Katastrophen, die ihm das Gefühl der Langeweile ausgetrieben hatten.

Er stellte fest, dass die Woche schneller vorbeigegangen war, als er es sich je hätte träumen lassen. Und so, mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, beschloss Herr Samsa, sich zukünftig weniger Sorgen zu machen. Denn die Woche kann lang sein, oder sie kann kurz sein. Alles hängt davon ab, welche unerwarteten Begebenheiten und Menschen man trifft.

Und während er so da saß und in seinen Wein schaute, musste er lachen. Er hob sein Glas in Richtung des Kalenders an der Wand und prostete dem nun unbeschriebenen Montag zu. Er war bereit für die nächste Arbeitswoche, egal wie lang oder kurz sie auch sein mochte. Denn wie hatte es doch diese Woche gezeigt: Auch ein Montag kann ein Freitag sein, wenn nur genügend unerwartetes passiert. Prost auf das Unerwartete!


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