Wie Deutschland Kriegspartei werden könnte – und weshalb dies wohl nicht passiert

Wenn Putin mit der Ukraine fertig ist, könnte er sich Polen und dem Baltikum zuwenden. Und mindestens Ostdeutschland dürfte er gedanklich auch in den Dunstkreis der ehemaligen Sowjetunion einreihen, so dass ihm vielleicht die Idee kommen könnte, Ostdeutschland heim ins russische Reich zu holen und von der Demokratie zu befreien. Und wenn schon Ostdeutschland, dann der Einfachheit halber vielleicht doch lieber das gesamte Deutschland.

Je eher Russland in der Ukraine erfolgreich sein sollte, desto eher hätte es militärische Kapazitäten frei für andere Länder. Auch aus diesem Grund ist es natürlich komfortabel, wenn man die Ukraine gut mit Waffen zu ihrer Verteidigung ausstattet, denn derzeit lässt der Westen kämpfen, zur eigenen Verteidigung kämpfen muss er glücklicherweise (noch) nicht.

Von daher ist es nicht ganz logisch, wenn Bundeskanzler Olaf Scholz sich nun aus Südamerika meldet und meint, man solle doch mit Waffenlieferungen keinen Überbietungswettbewerb starten. Und Herr Scholz habe sich ja nun endlich zu Panzerlieferungen durchgerungen, nun sei aber wirklich mal Schluss, Kampfflugzeuge werde es ganz sicher nicht geben mit ihm.

Während Herr Scholz, SPD, dies also kategorisch ablehnt, um später dann womöglich wieder unter Druck zu geraten und selbst gesteckte rote Linien zu überschreiten, ist die SPD-Vorsitzende Saskia Esken diesbezüglich weiser und weist die Lieferung von Kampfflugzeugen an die Ukraine nicht kategorisch zurück, sondern man müsse darauf achten, dass beispielsweise Deutschland keine Kriegspartei werde und müsse sich an der jeweils aktuellen Situation orientieren, so in etwa.

Allerdings hat Deutschland praktisch keine einsatzfähigen Kampfflugzeuge, die es abgeben könnte, wenn ich das richtig sehe. Insofern eine rein theoretische Diskussion.

Der Iran merkt gerade, wie schnell man Kriegspartei werden könnte, wurde doch jüngst offensichtlich der Versuch unternommen, eine Fabrik, welche die Kampfdrohnen herstellt, die an Russland geliefert werden und die in der Ukraine durch den russischen Einsatz immer wieder Zerstörungen hervorrufen, zu attackieren. Ein Land, das Waffen liefert, merkt also gerade, dass es angegriffen werden könnte, obwohl es ja völkerrechtlich eigentlich keine Kriegspartei ist.

Die Sorge gibt es natürlich auch in Deutschland, allerdings mit einem gewaltigen Unterschied. Deutschland ist in der NATO. Das größte Militärbündnis weltweit, die NATO, könnte es keineswegs hinnehmen, wenn in irgendeinem Bündnisland ein paar russische Raketen einschlagen würden. Die NATO würde robust reagieren. Denn würde sie das nicht tun, wäre sie obsolet. Deshalb würde sie es tun und deshalb werden NATO-Länder, auch, wenn sie völkerrechtlich gesehen keine Kriegspartei sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht als vermeintliche Kriegspartei von Russland attackiert werden. Denn dies hätte für Russland die extremsten Nachteile, die man sich nur vorstellen kann.

Und auch, wenn man alles mögliche in die Psyche Putins hineinfabuliert, so dürfte es ihm doch darum gehen, am Leben zu bleiben und seine Macht zu erhalten.

Man las, dass er gewaltige Angst vor Corona gehabt habe, was man auch auf vielen Fernsehbildern sehen konnte, wo Putin sich in extremer Entfernung zur anderen Menschen aufhielt, um sich bloß nicht anzustecken.

Wer aber Angst vor Corona hat, hat auch Angst um sein Leben. Und wer Angst um sein Leben hat, hängt an seinem Leben. So jemand möchte nicht alles riskieren, was ihm wert und teuer ist. Und Putin, der sich unendlich bereichert hat aus Russland, einem Land, in dem viele Menschen sehr arm sind, hängt an seinem Reichtum und an seinem Leben. Ein Machtmensch wie er möchte nicht einfach ins Gras beißen. Drum wird man zurecht damit kalkulieren dürfen, dass Putin die Folgen russischer Aggressionen durchaus einschätzt und sie nicht derart eskalieren lassen möchte, dass für ihn am Schluss nichts übrig bleibt, nicht mal sein Leben. Das wäre selbst für einen Putin zu unangenehm. Tausende Soldaten in einen Krieg zu schicken, in dem sie andere Menschen töten und selbst ums Leben kommen, ist für Putin ganz offensichtlich kein Problem. Sein eigenes Leben jedoch liegt ihm wohl äußerst am Herzen.


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