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Wie der Krieg enden kann | Ukraine

Der russische Überfall auf die Ukraine kann wohl nur enden, wenn er für Russland – wirtschaftlich, finanziell, politisch, menschlich oder in Kombination dieser Möglichkeiten – zu teuer wird.

1. Das könnte der Fall sein, wenn Russland pleite ist. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg. Putin selbst hat viel Geld, die Zivilbevölkerung ist in großen Teilen ohnehin bitter arm und Putin lässt sie leiden. Damit hat er kein allzu großes Problem. Also ein sehr langfristiges Konzept, das nur möglicherweise erfolgreich sein kann.

2. Der Krieg könnte auch zu Ende sein, wenn Russland keine schlagkräftigen Waffen mehr hat. Das ist einer der Ansätze der westlichen Demokratien, man könnte sie fast die Alliierten nennen. Man versucht nämlich, zu unterbinden, dass Russland Bauteile für Raketen und Marschflugkörper im Westen kaufen kann. Allerdings hat Russland auch eine eigene Produktion, die vermutlich nicht völlig zum Erliegen kommen wird.

3. Eine weitere Möglichkeit, damit der Krieg endet, ist folgende. Westliche Länder erklären Russland, dass ab einem gewissen Tag x, beispielsweise ab dem 5. Januar, für jeden Marschflugkörper und jede russische Rakete, die eine zivile Einrichtung in der Ukraine trifft, ein westlicher Marschflugkörper oder eine westliche Rakete an die Ukraine geliefert wird mit einer Reichweite, dass sie den Ursprungsort des Abschlusses erreichen kann. Russland hätte hier das psychologische Moment gegen sich, weil es durch seine Angriffe selbst die Gegenangriffe auf russische Abschusseinrichtungen verursachen würde.

Dieser Ursprungsort kann in Russland liegen, er kann im Schwarzen Meer oder im Kaspischen Meer auf einem Schiff liegen.

Ab diesem Zeitpunkt würde es für das Regime Putin sehr teuer werden. Dieses Regime könnte sich zwar überlegen, nuklear zu eskalieren, beispielsweise in der Ukraine, aber Sinn und Zweck davon wären gering. Denn in einem solchen Fall würde Russland international wohl vollends zum Paria werden, auch China würde sich abwenden. Das Regime Putin würde in der Folge immer mehr isoliert und Russland zu einer Art Nordkorea werden, durch seine Abschottung immer mehr zerfallen und vom internationalen Entwicklungsfortschritt vollends abgekoppelt werden. Russland würde bestenfalls zu einer Regionalmacht zurückfallen, vielleicht zu einer Agrarnation. Die damit einhergehenden Unbequemlichkeiten dürften auch reiche Russinnen und Russen ziemlich stören, was dann für Putins Machterhalt innerhalb des Landes äußerst gefährlich werden könnte.

Würde Russland nuklear reagieren, wahrscheinlich in der Ukraine, müsste die NATO im Vorfeld sehr deutlich machen, dass sie dies als Angriff auch auf sie selbst sehen würde und, erstmal konventionell, als Reaktion darauf in der Ukraine und im Umfeld für Ruhe sorgen würde, also sämtliche Bedrohungen ausschalten würde, die diesen Zustand verursacht haben.

Das würde sicherlich die russische Schwarzmeerflotte beinhalten, zudem auch russische Verbände, die sich auf ihrem Raubzug innerhalb der Ukraine befinden. Weiterer potenzieller Beschuss aus Russland heraus auf die Ukraine müsste damit rechnen, Ziel von Gegenreaktionen durch die NATO zu werden.

Würden westliche Länder in der oben genannten Art und Weise Waffen mit großer Reichweite an die Ukraine liefern, wären sie trotzdem keine Kriegsparteie, denn die westlichen Länder liefern auch jetzt schon Waffen, damit die Ukraine sich verteidigen kann. Und würde die NATO auf einen russischen nuklearen Einsatz in der Ukraine reagieren, wäre das eine Reaktion, keine Aktion. Es wäre deswegen eine Reaktion, weil durch einen Nuklearwaffeneinsatz von russischer Seite aus auch NATO-Länder durch den radioaktiven Fallout massiv betroffen wären.

Als Begründung für die Reaktion des Westens könnte dieser anführen, dass Russland durch seinen Überfall auf ein freies und demokratisches Land und seine Absichten, diese Überfälle auf weitere Länder auszuweiten, wie beispielsweise das Baltikum und Polen, die westliche Art zu leben, die auf Demokratie und Regeln und Völkerrecht beruht, bereits so massiv angreift, wie es seit dem Ende des zweiten Weltkrieges in Europa nicht mehr der Fall gewesen ist. Weil Putin und sein Regime somit die westliche Art zu leben angreifen, reagiert der Westen. Nicht der Westen ist es, der hier irgendwie angreift, sondern es ist definitiv so, dass Putin und sein faschistisches und imperialistisches System die ersten Schritte getan hat. Weitere Schritte kann die westliche Freiheit und Demokratie nicht zulassen, weil sie durch diesen russischen Angriff bereits selbst bedroht und mit angegriffen wird. Denn Putins Krieg in Europa bedeutet ja, sollte dieser russischen Überfall erfolgreich sein, dass die regelbasierte Welt zu Ende ist, welche aber die Grundlage für Demokratie, Prosperität, Freiheit und wirtschaftliches Wachstum ist.

4. Eine weitere Möglichkeit, den Krieg zu beenden, wäre noch, die westlichen Waffenlieferungen über viele Jahre soweit aufrecht zu erhalten, bis auch in Russland die Zivilgesellschaft sehr stark zermürbt ist, weil so viele tote Soldaten nach Russland zurückkommen. Dies würde aber auch bedeuten, dass das Leid in der Ukraine über Jahre hinweg sehr groß bleiben würde. Die Hoffnung bei diesem Ansatz wäre, dass es irgendwann der russischen Seite reicht bzw vielleicht Putschversuche von innen heraus unternommen werden. Aber sonderlich erfolgversprechend ist diese Lösung nicht, höchstens dann, wenn man sie sehr langfristig denkt. Aber je länger der Krieg, desto höher auch das Eskalationspotential.

Weshalb muss Russland den Krieg verlieren?

Wenn Russland nur irgendetwas des geraubten ukrainischen Geländes behält, ist dies aus russischer Sicht ein Gewinn und dürfte von Russland aus so gedeutet werden, dass ein Raubzug gegen andere Länder erfolgreich ist. Er kostet zwar viel russisches Geld und viele russische Menschenleben, ukrainische sowieso, aber das dürfte dem Regime Putin egal sein.

Und würde Russland seinen Raubzug als Gewinn verbuchen, wären in der Folge weitere Länder künftig sicherlich das Ziel, beispielsweise das Baltikum, Polen, vielleicht auch Ostdeutschland oder Deutschland insgesamt. Denn ein superreiches Land wie Deutschland zu erobern, wäre aus russischer Sicht sicherlich charmant.

Des weiteren wäre ein Erfolg des russischen Raubzugs eine Blaupause für viele Länder weltweit. Als nächstes dürfte dann China Taiwan angreifen, die USA würden Taiwan militärisch verteidigen und dort einen heißen Krieg ausfechten. Dieses Szenario kann aber wahrscheinlich vermieden werden, wenn die westlichen Länder absolut deutlich machen, dass Putin diesen Krieg verlieren wird. Und wie er ihn verlieren wird, dazu wurden oben einige Gedanken skizziert. Nur wenn Russland verliert, kann die Freiheit in Europa und auch weltweit erhalten bleiben.

Jedoch zu glauben, Russland werde sich schon damit zufrieden geben, wenn es ein paar ukrainische Gebiete erhalte, ist ein Trugschluss. Das hat schon im Jahr 2014 nicht funktioniert, als Russland einen Überfall auf die ukrainische Halbinsel Krim unternommen hatte und seitdem völkerrechtswidrig behauptet, dies sei nun angeblich russisches Territorium, was es nicht ist. Dieser Logik nach hätte Russland mit dieser Eroberung zufrieden sein müssen. Ist es aber nicht, wie wir alle schmerzlich erfahren mussten. Russland will mehr, viel mehr. Russland will alles, was es irgendwie bekommen kann.

Ob Russland also in der Ukraine erfolgreich ist oder verliert, ist eine künftige Blaupause für Krieg oder Frieden in Europa und weltweit. Es geht also um sehr viel. Es geht um unsere friedliche und demokratische Zukunft. Es geht darum, ob in Europa und weltweit künftig die Räuber das Sagen haben, oder das Recht.

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