Waffenlieferungen. Putin ist sich offensichtlich der NATO-Reaktion nicht sicher

Als Putin vor dem Angriff auf die Ukraine seiner Atomkarte gezogen hatte, also unverhohlen mit einem gewaltigen nuklearen Erstschlag gedroht hatte, zuckte der Westen zusammen. Aber würde Putin das wirklich riskieren, würde es doch im Gegenzug sofort die nukleare Pulverisierung Russlands bedeuten?

Es gibt nun eine Sache, die aufhorchen lässt.

Russlands Außenminister sieht in Konvois westlicher Waffenlieferungen „legitime Ziele“

Der russische Außenminister Sergej Rjabkow hat mit Angriffen auf westliche Waffenlieferungen gedroht. Man habe die USA gewarnt, dass das „orchestrierte Hereinpumpen von Waffen durch eine Reihe von Staaten nicht nur ein gefährlicher Schritt ist, sondern diese Konvois auch zu legitimen Zielen“ für Angriffe der Armee mache, sagte Rjabkow im russischen Staatsfernsehen. Die EU hatte kurz nach der russischen Invasion am 24. Februar Militärhilfen für die Ukraine im Umfang von 500 Millionen Euro beschlossen und prüft eine Verdoppelung der Summe.Der russische Außenminister Sergej Rjabkow hat mit Angriffen auf westliche Waffenlieferungen gedroht. Man habe die USA gewarnt, dass das „orchestrierte Hereinpumpen von Waffen durch eine Reihe von Staaten nicht nur ein gefährlicher Schritt ist, sondern diese Konvois auch zu legitimen Zielen“ für Angriffe der Armee mache, sagte Rjabkow im russischen Staatsfernsehen. Die EU hatte kurz nach der russischen Invasion am 24. Februar Militärhilfen für die Ukraine im Umfang von 500 Millionen Euro beschlossen und prüft eine Verdoppelung der Summe.

Quelle Zeit Online

Was ist an dieser Meldung bemerkenswert? Diese Meldung kann so interpretiert werden, dass der Kreml, dass Putin also auch Sorge hat, dass ein Beschuss von russischer Seite auf westliche Waffenlieferungen an die Ukraine von der NATO eine Eskalation hervorrufen könnte – und zwar eine Eskalation nicht mehr durch Putin, sondern nun umgekehrt durch die NATO.

Inwiefern das? Es ist doch so: wäre der Kreml davon überzeugt, dass westliche Waffenlieferungen durch russisches Militär ungestraft angegriffen werden dürften, dass sie also tatsächlich ein legitimes Ziel wären, dann würde er sie einfach angreifen.

Er macht aber etwas anderes: er warnt den Westen. Das kann man so interpretieren, dass Putin versucht, die Reaktionen des Westens auf diese Warnung einzuschätzen. Wird der Westen zurückzucken? Oder würde ein russischer Beschuss von westlichen Waffenlieferungen vielleicht ein Eingreifen der NATO hervorrufen, weil die NATO dies als Grund für einen Kriegseintritt sehen würde?

Der Kreml scheint sich in dieser Hinsicht also auch nicht so sicher zu sein. Wäre er sich sicher, würde er westliche Waffenlieferungen einfach bombardieren. Indem er aber erstmal diese Warnung vorausschickt, versucht er, auszutesten, was ein solcher Beschluss für Russland für Folgen hätte.

Und in der Tat, die NATO könnte ja auch eskalieren mittlerweile. Denn Putins Treiben und Wüten in der Ukraine kann man, wenn man klaren Verstandes ist, kaum noch zusehen. Vielleicht sollte die NATO verbal auf dieses russische Austesten reagieren: Vorsicht, Putin, das ist ein Schritt zu weit. Das könnte extreme schwerwiegende Konsequenzen für Russland nach sich ziehen. Ab diesem Punkt könnte es sein, dass die NATO ihre Waffenlieferungen schützen muss. Und zwar in der Ukraine.

Die NATO könnte diese Gelegenheit also nutzen, um das russische Narrativ umzudrehen, wonach Putin angeblich die russischsprachige Bevölkerung in der Ukraine schützen müsse, weswegen Russland in die Ukraine einmarschiert sei. Nun wäre es aber die NATO, die ihre Waffenlieferungen zum Schutz der ukrainischen Bevölkerung beschützen müsse. In der Ukraine.

Wie gesagt, wäre der Kreml sich sicher, dass es tatsächlich legitim sei, westliche Waffenlieferungen anzugreifen, würde er es einfach tun. Er tut es aber nicht, weil er selbst Sorge vor einer Eskalation hat. Und seine Sorge ist begründet, oder genauer: Mit jeder ukrainischen Stadt mehr, die Putin zerstört, wird seine Sorge begründeter. Es kann gut sein, dass die NATO dem nicht mehr lange zusieht und nun ihrerseits den nächsten Grund nimmt, der ihr Eingreifen legitimiert.

Nachtrag, einen halben Tag später, heute, 13.3.22: Russland greift Militärstützpunkt nahe der polnischen Grenze an, der auch für NATO-Einsätze wichtig ist:

„Die Besatzer haben einen Luftangriff auf das Internationale Zentrum für Friedenssicherung und Sicherheit geflogen“, schrieb der Chef der Regionalverwaltung, Maxim Kosizky, zunächst auf Facebook

In einer späteren Mitteilung bezifferte er die Zahl der abgefeuerten Raketen auf 30, mehrere von ihnen seien von der ukrainischen Luftabwehr abgefangen worden. Dem Regionalgouverneur zufolge sind 35 Menschen getötet worden. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig verifizieren. „Das sind nicht nur Militärs“, schrieb Kosizky. Armee und Sicherheitskräfte hätten bereits 25 Einschlagsorte untersucht. Auf dem Militärstützpunkt werde noch ein Feuer gelöscht.

[…] Der New York Times zufolge ist der Stützpunkt Teil der Lieferkette für Waffen, welche die Ukraine von Nato-Ländern erhält. Am Samstag hatte Russland gedroht, die Waffenlieferungen seien legitime Angriffsziele.

Hier Quelle und Artikel lesen.

Möglicherweise diente also der Hinweis von russischer Seite tatsächlich dazu, eine Eskalation mit der NATO möglichst zu vermeiden, weil man durch diese Bombardierung nun tatsächlich mit der NATO in Kontakt geraten ist.

Es würde nun Sinn machen, wenn die NATO mit einem deutlichen Statement reagieren und vor einer Wiederholung eines derartigen Vorfalls dringend warnen würde.

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