Im Jahr 2001 hielt Putin eine Rede vor dem Deutschen Bundestag und erzählte irgendetwas von Frieden. Das passte ins Deutsche Weltbild und man applaudierte frenetisch. Hurra, Russland würde aufhören, ein Feind zu sein, der kalte Krieg war endlich vorbei, so glaubte man, man könne in Frieden miteinander leben und Handel treiben.
Was man dabei übersah, war das andere Gesicht Putins, der zum Zeitpunkt dieser Rede schon das zweite Jahr einen extrem brutalen militärischen Krieg gegen eine ehemalige Sowjetrepublik, Tschetschenien, führte, die selbständig werden wollte.
Frieden in der Bundestagsrede, Krieg in der Realität.
Die deutsche Politik bastelte sich ihr pazifistisches Weltbild, weil es ja durchaus ein positives und schönes Weltbild ist. Es entsprach aber schon damals nicht der Realität.
Und es entspricht auch heute keineswegs der Realität, wie wir seit dem russischen Überfall auf die freie und demokratische Ukraine vor etwa zwei Wochen gesehen haben und täglich sehen. Über zwei Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine haben das Land bereits verlassen, das russische Militär geht genauso rücksichtslos und brachial vor wie in Tschetschenien. Und wie in Syrien. Der Unterschied ist, dass wir diesmal nicht wegschauen können, weil die Ukraine uns kulturell und auch von der tatsächlichen Entfernung her viel näher ist als Tschetschenien und Syrien, und weil auf einmal auch die europäische Sicherheit insgesamt von Putin zur Disposition gestellt wird. Putin will offensichtlich die Sowjetunion wieder aufbauen, die sich 1991 selbst aufgelöst hatte, dieses Zwangsbündnis aus Staaten, in dem man nicht freiwillig war, aus dem man auch eigentlich nicht mehr herauskam. Und in den Einflussbereich der Sowjetunion gehörten auch Staaten der EU, die mittlerweile unter dem Schutzschild der NATO stehen, das macht die Sache so bedrohlich: beispielsweise Polen, Ungarn, Tschechien, das Baltikum.
Das Russland unter Putin entwickelte sich seit 2001 nicht etwa zu einer Demokratie, sondern Putin hat es, man muss es beim Namen nennen, nicht nur in eine Autokratie verwandelt, sondern eigentlich in eine Diktatur. Und damit haben wir es gerade zu tun.
Es ist nun kein Naturgesetz, dass Russland, auch nach der Ära Putin ein ewiger Feind des Westens sein müsste. Aber der Westen wird seine Sanktionen gegen Putins Russland, gegen Russland insgesamt, erst zurückfahren können, wenn nicht nur Putin abgetreten ist, sondern sich die politischen Strukturen im Kreml auch so verändert haben, dass ein anderer Putin nie wieder in dieser Art und Weise die Macht im Kreml ergreifen und den Krieg nach Europa tragen kann. Und das dürfte dann leider doch noch eine Ewigkeit dauern. Vielleicht eine kleine Ewigkeit, wahrscheinlich aber eine sehr große Ewigkeit.



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