Sie haben es nicht geschafft

Die Cousine meiner Frau, ihr Mann und ihre beiden Kinder sind gestern mit dem Auto von Lemberg, Ukraine, in Richtung EU-Grenze aufgebrochen, sie wollten nach Kroatien fliehen.

An der Grenze war sehr langer Stau. Seit Mitternacht gilt in der Ukraine die Generalmobilmachung, was bedeutet, dass Männer zwischen 18 und 60 Jahren das Land nicht mehr verlassen dürfen, weil sie in den Krieg ziehen müssen. Die Familie kam also nicht über die Grenze und fährt nun zurück nach Lemberg.

Nun wird er also in den Krieg ziehen müssen. Und die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass er dort sterben könnte. Wenn diese Familie sich von ihm verabschiedet, die Cousine von ihrem Mann, die Kinder von ihrem Vater, kann das ein Abschied für immer sein. Der letzte Blick, die letzte Umarmung.

Herr Bundeskanzler Scholz, stoppen Sie den Autokraten im Kreml, indem Sie sich jetzt dafür stark machen, dass das Swift-Zahlungssystem in Russland ausgesetzt wird, Sie hatten gestern der Ukraine Ihre „volle Solidarität“ zugesichert. Alle anderen Maßnahmen bringen derzeit nichts, sondern höchstens mittelfristig.

Deutschland, eine der stärksten Wirtschaftsmächte weltweit, kann sich das leisten. Wenn nicht Deutschland, wer denn dann? Wenn man Putin jetzt nicht stoppt, klopft der Krieg demnächst an der EU-Außengrenze an. Polen. Baltikum. Und dann wird man sehen, ob die NATO tatsächlich so schlagfertig ist und so geschlossen zusammen steht, wie sie derzeit vorgibt – oder ob diese Länder dann auch Deutschlands „volle Solidarität“ genießen. Jetzt kann man Putin vielleicht noch durch Geld stoppen. Was ist den Deutschen, den Dichtern und Denkern und Humanisten, wichtiger: Geld oder Menschenleben?

Lesen Sie auch: Darf Frieden teuer sein? Deutschlands „volle Solidarität“

Unterschreiben Sie hier die Petition: Russland sofort vom Swift-Zahlungssystem ausschließen. Ihre Stimme macht einen Unterschied!

Zusatz-Info: Eine Aussetzung von Swift in Russland würde übrigens nicht automatisch bedeuten, dass Unternehmen aus Deutschland und der EU das Geld von russischen Schuldnern nicht mehr zurück erhalten würden. Nur kurzfristig nicht, mittel- oder langfristig durchaus, pacta sunt servanda; sofern in Russland überhaupt noch Rechtssicherheit gewährleistet ist, was man aufgrund der aktuellen Lage allerdings bezweifeln darf.

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