Den „Ukraine-Konflikt deeskalieren“

Westliche Politiker von Anna-Lena Baerbock bis Antony Blinken versuchen derzeit, den Ukraine-Konflikt zu deeskalieren.

Aber ehrlich gesagt sind sie die falschen, auch, wenn ihre Bemühungen sicher gut gemeint sind und hoffentlich Frucht bringen. Deeskalieren muss der Aggressor, der im Kreml sitzt, Wladimir Wladimirowitsch Putin.

Nicht Russland ist bedroht, Russland bedroht.

8 Gedanken zu “Den „Ukraine-Konflikt deeskalieren“

  1. Das macht das Feindbild
    so attraktiv: Es ist einfach.

    Man selbst ist zweifelsfrei der Gute,
    der Andere ist zweifelsfrei der Böse.

    Daß es auch anders sein könnte und
    differenzierter, wird nicht zugelassen.

    Und die Bergpredigt 🌿 ist
    plötzlich nichts mehr wert.

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    1. Ich mag mich ja täuschen, aber allgemein wird es so gesehen, dass derjenige, der mit Waffen und Gewalt und militärisch in ein anderes Land einmarschiert und dort einen Krieg anzettelt und es besetzt hält, als der Feind bezeichnet wird.
      Aber wie gesagt, ich mag mich irren.

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    1. Jetzt bitte keine Links mehr hier platzieren, sondern wenn es sein sollte, selbst argumentieren. Habe mir das Interview angeschaut und einige Sachen sind tatsächlich sehr verzerrt oder stimmen gar nicht.
      Russland wurde von der NATO in die Sicherheitsarchitektur miteinbezogen, der NATO-Russland-Rat beispielsweise.
      Die NATO war fast schon obsolet, bevor Länder wie die Ukraine von Russland angegriffen wurden. Oder Georgien. Oder Transnistrien.
      Herr Platzeck möchte mal die Frage um die Krim ausgrenzen, witzig, wie kommt er denn dazu. Hätte ein anderes Land ein deutsches Bundesland mit Krieg überzogen und besetzt, würde er dieses Bundesland dann auch ausgrenzen wollen in seinen Gesprächen?
      Nord Stream 2 nimmt er auch gleich mal aus der Verhandlungsmasse raus, bei einem russischen Angriff auf die Ukraine hätte man angeblich ganz andere Probleme. Er verdreht hier die Tatsachen. Wenn der Preis für Russland hoch genug ist, dürfte Putin nicht einmarschieren, so sieht es aus. Deswegen geht es natürlich um Nord Stream 2, welches Putin Devisen in sein Land spült, die er dann in seinen eigenen Machterhalt und ins Militär stecken kann, beispielsweise um in die Ukraine einzumarschieren oder in weitere Länder.
      Desweiteren, Kuba ist nicht Europa. Die Europäer wohnen seit jeher in der Nähe Russlands. Russland wohnt aber nicht seit jeher in der Nähe der USA. Völlig verdrehtes Argument. Das Argument wäre dann vielleicht korrekt, wenn die USA plötzlich in Kasachstan Atomraketen installieren würden. Aber das tun sie nicht. Deswegen besteht keine Analogie zwischen Europa und Kuba. Das ist ein sogenanntes Strohmann-argument.
      Und so weiter. Herr Platzeck sieht die Dinge in der Regel recht einseitig zugunsten Russlands und Putins. Dass Putin in den letzten Jahren und Jahrzehnten das Land in eine Autokratie umgewandelt hat, dass es praktisch keine Pressefreiheit mehr in Russland gibt, dass Putin Memorial verboten hat und somit die russische Geschichte umschreiben will, erwähnt er mit keinem Wort. Stattdessen will er diese Autokratie nutzen, um sich gegen die andere Autokratie, China, zu wappnen. Ironie der Geschichte. So etwas dürfte wohl kaum klappen.
      Jetzt aber bitte keine Videos mehr hier platzieren.

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  2. Der Machtkampf zwischen Deutschland und Russland um die Ukraine tobte bereits im Ersten Weltkrieg. Eines der zentralen Ziele im Osten, das Berliner Strategen damals verfolgten, war die Abspaltung der Ukraine vom Russischen Reich. Einer der führenden Anhänger dieses Vorhabens im Auswärtigen Amt, Paul Rohrbach, warb für den Plan gewöhnlich, indem er, so berichtete es einer seiner Mitarbeiter, „das Bild einer Orange“ verwendete: „Wie diese Frucht aus einzelnen leicht voneinander lösbaren Teilen besteht, so das russische Reich aus seinen verschiedenen Gebietsteilen“, darunter die Ukraine. „Man brauche diese nur voneinander abzulösen und ihnen eine gewisse Autonomie zu geben“, wurde Rohrbach zitiert, „so werde es ein leichtes sein, dem russischen Großreiche ein Ende zu bereiten“.
    Zum Hintergrund äußerte sich Rohrbach exemplarisch in einer Buchpublikation aus dem Jahr 1916. „Alles große Leben in Rußland muss versiegen, wenn ein Feind die Ukraina packt“, hieß es darin: „Wenn einer Russland niederwerfen will“, müsse er in die Ukraine „marschieren“. Falls zum richtigen Zeitpunkt „dort, wo bei uns die Entscheidungen getroffen werden, jemand so viel Kenntnis von den Dingen und soviel Entschlossenheit hat, dass er die ukrainische Bewegung richtig loszubinden weiß – dann, ja dann könnte Russland zertrümmert werden.“
    Rohrbach schloss: „Wer Kiew hat, kann Russland zwingen!“

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    1. Haben Sie mal eine Quelle zu Ihren Ausführungen?
      Es geht im aktuellen Fall jedoch nicht darum, dass Deutschland oder die EU oder die NATO die Ukraine von Russland abspalten wollte, weil die Ukraine ein eigenständiges Land ist und überhaupt nicht zu Russland gehört. Sie ist kein Vasallenstaat Russlands.
      Ein demokratisches Land hat nach westlicher Überzeugung das Recht, selbst über sich zu bestimmen und hat zudem aufgrund internationaler Verträge, die übrigens auch Russland unterzeichnet hatte, das Recht auf territoriale Integrität, welche aber bereits in zwei Fällen von Russland militärisch verletzt worden ist.
      Bevor Putin im Jahr 2014 die ukrainische Krim militärisch annektiert hatte und den Krieg in den ukrainischen Donbass getragen hatte, wo er immer noch ist und es mittlerweile über 13.000 (!) Tote wegen dieses Krieges gibt, war die Zustimmungsrate in der ukrainischen Bevölkerung für einen möglichen Beitritt zur NATO bei etwa 25%. Minimal also. Nach der russischen Invasion allerdings ist er nun bei über 60%. Warum? Weil die Ukraine Angst um ihre Eigenständigkeit hat. Berechtigterweise.

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      1. [1] Walter Mogk: Paul Rohrbach und das „größere Deutschland“. Ethischer Imperialismus im Wilhelminischen Zeitalter. München 1972. Zitiert nach: Reinhard Opitz (Hg.): Europastrategien des deutschen Kapitals 1900-1945. Bonn 1994.

        [2] Paul Rohrbach: Weltpolitisches Wanderbuch 1897-1915. Königstein/Leipzig 1916.

        [3] Paul Rohrbach: Deutschlands Ostlage im zukünftigen Europa. Zitiert nach: Reinhard Opitz (Hg.): Europastrategien des deutschen Kapitals 1900-1945. Bonn 1994.

        [4] Frank Golczewski: Deutsche und Ukrainer 1914-1939. Paderborn 2010.

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